20 Jahre RTZ auf dem Hagen-Campus

Die hundertjährige Geschichte eines Technologiestandortes
In Humboldt-Gremberg zwischen Rolshover Straße, Gottfried-Hagen Straße und Lüderichstraße, auf dem ehemaligen Gelände der Gottfried Hagen Batterie Fabrik, steht das Technologie- und Gründerzentrum RTZ. Seit nunmehr gut 20 Jahren starten hier junge Technologieunternehmen in den Markt. Und auf dem „Hagen-Campus“, wie dieser Technologiepark heute genannt wird, sind rund 100 Unternehmen in neuen modernen Gebäuden angesiedelt.

Es begann mit der Gründung einer Metallhandlung durch Josef Hagen im Jahre 1827. Daraus ging die Gottfried Hagen AG hervor, die später zur Akkumulatoren-Fabrik wurde und ihren Sitz 1890 nach Humboldt Gremberg verlegte.1904 gründete man die Abteilung „Automobilwerke“ und baute Elektroautos – der RheinZeiger berichtete (siehe Ausgabe 31, Seite 6). Es wurden elektrisch angetriebene Personen- und Lastkraftwagen unter den Namen KAW (PKW) und Urbanus (LKW) gebaut. Die Herstellung der
Elektrofahrzeuge wurde aber bereits nach wenigen Jahren eingestellt, da sie gegenüber Kraftwagen mit Verbrennungsmotoren keine Chance hatten. Mitte der 80er Jahre ging das Unternehmen in Konkurs. Das Gelände wurde schließlich 1987 von der Landesentwicklungsgesellschaft NRW übernommen und saniert.

Die Stadt Köln entwickelte ein Konzept zum Strukturwandel im rechtsrheinischen Köln. Schließlich wurde 1997 auf dem Gelände das Gründerzentrum RTZ gebaut. In den Jahren 1996 bis 1998 wurde das Gebäude durch die damalige RTZ Besitzgesellschaft erbaut und mit Büro- und Laborräumen (rund 4.000 qm) sowie der zugehörigen Infrastruktur ausgestattet. Der damalige Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, ließ es sich nicht nehmen, persönlich zum ersten Spatenstich dabei zu sein. Etwa zeitgleich gründete sich die OSMAB GbR und baute das erste Bürogebäude auf dem Gelände. Die letzte Baulücke wurde 2018 geschlossen.

Die Gründung des RTZ Das RTZ nahm am 1. Februar 1999 den Betrieb auf; die ersten sechs Gründerunternehmen zogen ein. Die offizielle Eröffnung durch den damaligen Wirtschaftsminister Steinbrück mit Schlüsselübergabe an die Geschäftsführer fand im Mai 1999 statt. Der Minister wünschte dem Zentrum einen rasanten Start. Und genau der stellte sich prompt ein. Bereits nach zwei Jahren war das Ideenhaus komplett belegt.

Zieht man heute nach 20 Jahren Bilanz, so dürfte das RTZ mit über 290 Gründungen überaus gut abschneiden. Diese Technologie-Unternehmen haben bis heute über 2.100 Arbeitsplätze geschaffen. Die Überlebensquote der Startups aus dem RTZ liegt bei über 95 %. Und es wurden nicht nur Gründer unterstützt, die Mieter im RTZ-Gebäude wurden, sondern auch über 300 Startups, die sich an anderer Stelle in Köln ihren ersten Standort gesucht haben. Zahlreiche Gründer konnten im Umfeld untergebracht werden, etwa auch im Technikhof Kalk. Das Zentrum war von Anfang an beliebtes Ziel für Technologiegründer. Und das RTZ bestand seine Prüfung mit Bravour: Im Jahr 2003 wurde das Zentrum wie alle anderen Gründerzentren in Deutschland auch inkognito von der Stiftung Warentest auf seine Existenzgründerberatungsqualität untersucht. Am Ende hieß der Testsieger RTZ Köln – ein Erfolg nicht nur für das Zentrum. Die Gründung des RheinZeiger

Bei seiner Arbeit wurde das RTZ insbesondere auch durch den Verein zur Förderung der rechtsrheinischen gewerblichen Wirtschaft Köln (vfw Köln rechtsrheinisch) unterstützt. So wurde der Verein auch wirtschaftlicher Träger des Gründermagazins RheinZeiger, das Anfang 2003 gegründet wurde. Wenn die erste Ausgabe mit gerade mal acht Seiten auch noch sehr überschaubar ausfiel, so hat sich das Magazin bis heute doch zu einem der größten Gründermagazine in Deutschland entwickelt. Der RheinZeiger möchte über die Gründerszene insbesondere in Köln informieren, aber auch über Innovationen in oder aus den Zukunftstechnologien berichten. Dazu gehört der Bereich Digitales ebenso wie die Biotechnik oder das Design. Hier erhalten Startups Informationen und Tipps, hier können sie sich der Öffentlichkeit vorstellen.

Die tägliche Arbeit des RTZ zeigt aber auch, dass ein solches Gründerzentrum Element der Wirtschaftsförderung ist. Deshalb sind auch Veränderungen im regionalen Umfeld des RTZ, die Entwicklung der Gründerszene in Köln insgesamt oder auch der Szene der Technologieunternehmen zu betrachtende Faktoren, wenn man den Erfolg eines solchen Zentrums messen will. Der Strukturwandel im rechtsrheinischen Köln lässt sich daher auch an der Besiedlung des „Hagen-Campus“ oder des Geländes der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk festmachen. Dort hat das RTZ auch die Entstehung des Abenteuermuseums Odysseum begleitet.

Die Gründung der Kalker Tafelrunde Im März 2006 wurde, ebenfalls mit Unterstützung durch den vfw Köln rechtsrheinisch. die „Kalker Tafelrunde“ ins Leben gerufen, das „Frühstück morgens halb neun in Kalk“. In lockerer Frühstücks-Atmosphäre tauschen sich Startups, erfahrene Manager und Investoren über ihre Ideen und Erfahrungen aus; formen neue Interessensgemeinschaften. Im Gespräch finden sich Synergien, ein „push & pull“ von Innovationen, ein B2B „privatissime“. Die Kalker Tafelrunde tagt immer 4 Mal jährlich, immer mittwochs, immer um halb neun im RTZ in Kalk.

Die Gründung des „Gründerökosystems Köln“ Eine ebenfalls vom RTZ im Jahr 2008 begleitete Gründung war, wie die Gründerin es bezeichnete, die Gründung eines Gründerzentrums. Dies war die Geburtsstunde der Coworking Spaces in Köln.

Heute gibt es in Köln neben den beiden „konventionellen“ Gründerzentren GIZ und RTZ zahlreiche Inkubatoren, Coworking Spaces oder ähnliche Einrichtungen. Die Anzahl dieser „Gründerräume“ in Köln liegt inzwischen bei über 50. Das RTZ hat dazu in 2018 den „Startup-Leitfaden Köln“ in zweiter Auflage herausgegeben; darin werden alle Gründerräume vorgestellt. Das RKW Kompetenzzentrum hat sich intensiv mit Aufbau und Entwicklung von Gründerökosystemen beschäftigt. Auch hierbei hat das RTZ einen Beitrag geleistet; eine Zusammenfassung wurde Anfang 2018 im Band „Wirtschaftsstandort NRW“ des Europäischen Wirtschaftsverlages publiziert. Das Handbuch „Gründerökosysteme gestalten“ des RKW Kompetenzzentrums wurde am 21. März 2019 in Berlin im „Ahoy“ offiziell vorgestellt (vgl. Seite 49).

Köln ist vor allem bekannt als Auto- und Medienstadt. Außerdem ist Köln mit über 20 Hochschulen die größte Hochschulstadt bundesweit. Dies stellt ein gutes Umfeld für ein Gründerzentrum dar. Das RTZ bewegt sich in der Szene der Gründer, der Gründerräume und der Technologieunternehmen. Durch sein Engagement haben sich Netzwerke und Verbände gebildet und es gibt einen regen Austausch von Startups, Unternehmen und Zentren bundesweit.

Das RTZ war beispielsweise Gründungspate derNetzwerke BioCologne, BioRiver, hochschulgründernetz cologne (hgnc) und Kölner Internet Union. Wichtig ist – gute – Kommunikation. Hier sind so erfolgreiche Formate wie die „Kalker Tafelrunde“ oder der RheinZeiger beispielhaft.

Die Gründung des Life Science Standortes Köln

Das RTZ war auch erfolgreich bei der Ansiedlung von Life Science Unternehmen. Eines der ersten Biotechnik-Gründungen im RTZ war das Unternehmen Amaxa, das seinerzeit den ersten Businessplan Wettbewerb des „Neuen Unternehmertums Rheinland (NUK)“ gewann. Die Gründer zogen Silvester 1999 in das RTZ ein. Bereits nach etwas mehr als zwei Jahren war das Unternehmen so gewachsen, dass ein Umzug notwendig wurde. Dies war die Geburtsstunde des BioCampus Cologne (BCC), und Amaxa wurde der erste Mieter in diesem BioPark im Westen von Köln. Amaxas Exit 2008 war überaus erfolgreich; das Unternehmen ist heute unter dem Namen Lonza Cologne noch immer auf dem BCC ansässig.

Ein Auftrag des RTZ bestand darin, beim Aufbau des Biotechnik-Standort Köln mitzuwirken. Hierzu gibt es auch die mit der Gründung des BCC gestartete Kooperation mit diesem Biopark. Heute sind in Köln rund 50 Life Science Unternehmen angesiedelt. Die Region „BioCologne“ ist eine bedeutende Life Science Region, was nicht nur daran zu erkennen ist, dass es hier im Jahr 2007 die Konferenz „BioPerspektives“ mit der Unterzeichnung des „Cologne Paper“ und der Verleihung des Cologne BioInnovation Awards durch Minister Pinkwart sowie im Jahre 2015 die „Deutschen Biotechnologietage 2015“ gab. Coaching – Gründertraining mit der Reiss Profile Analyse

Das RTZ hat schon früh erkannt, dass Coaching ein ganz wesentliches Element der Gründerförderung ist. So war es nur logisch, dass sich auch das RTZ in den Jahren 2010 bis 2013 an einem Fördervorhaben des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligte, in dem neue Methoden des Gründercoachings erprobt werden sollten. Vier Gründerzentren aus der Region hatten die Idee, die „Reiss Profile Analyse“, die sich im Leistungssport bereits als Coaching-Methode bewährt hatte, auch für das Gründercoaching einzusetzen. Die Geschäftsführer der vier Gründerzentren ließen sich zum Reiss Profile Master ausbilden und coachten auf dieser Basis zahlreiche Gründer oder Gründerteams. Gleichzeitig fand ein Wettbewerb statt, in dem das Startup mit dem größten Potential, die „High Potential Company“ (HiPo) gesucht wurde. Die Sieger der ersten Wettbewerbsrunde wurden in 2011 in einer feierlichen Veranstaltung in der Piazzetta des Historischen Rathauses in Köln mit dem „HiPo-Award“ ausgezeichnet. Zukunft in Köln – Zukunft des RTZ

Auch für die zukünftige Arbeit des RTZ ist es wichtig, Tendenzen und Entwicklungen in der Wirtschaft zu analysieren und den Fokus entsprechend auszurichten. Da spielt das Thema Digitalisierung ebenso eine Rolle wie die Biotechnik oder die Green Economy. Weiter zu berücksichtigen sind Veränderungen in der „Gründermentalität“, wie man sie auch in den letzten Jahren im RTZ beobachten konnte. Eine große Rolle spielen natürlich die Strömungen und Bedürfnisse in der Wirtschaft. Und eben diese Wirtschaft interessiert sich für Startups, wie Besuche im ebenfalls RTZ belegen. Also gilt:

· Förderung des Unternehmertums durch Ausbau der Coworking-Aktivitäten
· Ausbau der Kommunikations- und Networking-Formate
· Bedienung zukunftsorientierter „Branchen“ wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit
· Ausbau der Kooperationen mit der Wirtschaft und der Wissenschaft·

Miteinander reden – der Mittelstand kennt seine Bedürfnisse Sehen und Gesehen werden ist das Motto. Dazu gehört die Beschäftigung mit Trends, Tendenzen und Bedürfnissen.

Ideen aus 20 Jahren

Viele Ideen haben die Gründer dem RTZ angetragen. Nützliches, Innovatives, Aufregendes, Verrücktes oder technologisch Anspruchsvolles. Nicht immer ließ sich der Erfolg gleich zu Beginn zweifelsfrei erkennen. Nicht immer war den Startups klar, wie sich das Unternehmen entwickeln würde. Manches Startup zeigte gemäßigtes, aber solides Wachstum. Andere konnten gar nicht so schnell die Mieträume erweitern, wie das eigentlich gebraucht wurde. Viele erlebten große Erfolge und konnten beachtliche Exits realisieren.

Derweil geht das RTZ weiter seinen Weg. Auch in den letzten Monaten gab es Auszüge junger
Technologieunternehmen und Einzüge neuer Startups. Seit Ende 2018 gehören auch der Digital Hub Cologne sowie ein neu gegründetes Bioökonomie-Startup zu den Mietern des RTZ.

Drucken Drucken