Abschreiben gilt nicht

Die Erfolgsgeschichte von PlagScan

Alles begann mit einem „Neigungsprojekt“. Jemand schreibt eine Software für seine Freundin, damit die Lehrerin herausfinden konnte, ob ihre Schüler irgendwo abgeschrieben haben. So begannen Johannes Knabe und Markus Goldbach 2009 mit der Entwicklung von „PlagScan“, einer Software zur Überprüfung der Originalität von Texten. Beide dachten nicht an die Gründung einer profitablen Firma. Das Projekt schien interessant, machte Spaß und wurde in Goldbachs Wohnung im beschaulichen Mainz bearbeitet.

Knabe und Goldbach, beide seinerzeit Vollzeit an Schule bzw. Hochschule tätig, gewannen aber doch schnell erste Kunden für ihren „Service“ und entschlossen sich daher, die Firma PlagScan zu gründen. Als 2011 das Thema Plagiate durch die Plagiatsaffären in den Medien die Runde machte, wurde es spannend. Und so entschied sich Goldbach, die Arbeit an PlagScan zu seiner Vollzeitbeschäftigung zu machen. Die Firma zog noch im gleichen Jahr in ein Büro im Rechtsrheinischen Technologie- und Gründerzentrum (RTZ) in Köln ein und entwickelte sich umgehend mehr als positiv.

„In Deutschland ist das Geschäft natürlich stark durch die Berichterstattung angekurbelt geworden. Aber in gleichem Maße sind wir auch international gewachsen, was nicht mit den Plagiatsskandalen in Verbindung zu bringen war“, sagt Goldbach. Der neue Standort im RTZ ermöglichte PlagScan weitere Mitarbeiter und Praktikanten einzustellen, und schon kurze Zeit später wurde ein weiteres Büro im RTZ bezogen. „Wir sind super aufgenommen worden“, sagt Goldbach, „und wir hatten flexible Möglichkeiten zu wachsen“.

PlagScan wurde international. Seit 2012 ist PlagScan neben Englisch auch auf Spanisch und Französisch verfügbar. „In allen Kontinenten der Erde hatten wir schon 2012 mindestens eine Organisation als Kunde“, sagt Goldbach. Viele Organisationen fragten aus Datenschutz- und Copyright-Gründen nach „on-premise solutions“, bei denen die Technologie der Software benutzt wird, aber die Daten der Organisationen deren interne Server nicht verlassen. PlagScan kam dem Wunsch solcher Organisationen entgegen und erfreute sich umgehend an wachsenden Besucherzahlen und Kunden. Mittlerweile hat PlagScan weltweit über 1.000 Kunden und pro im Monat von 400.000 Besuchern auf der Webseite besucht.

Zukünftig soll das Geschäft weiter ausgebaut und der Textanalyse-Algorithmus stetig verbessert werden. „Es geht zwar einigermaßen schnell auf den Markt, aber es geht auch genauso schnell wieder raus im Internetgeschäft“, weiß Goldbach. „Die Anderen (Wettbewerber) schlafen ja nicht und entwickeln sich ebenso zügig weiter“. Eines der nächsten Ziele für PlagScan ist eine deutschsprachige Verbund-Datenbank ins Leben zu rufen, in der alle Dokumente im deutschsprachigen Raum miteinander abgeglichen werden können. Dabei geht es PlagScan keineswegs darum die Rolle eines Plagiat-Jägers einzunehmen. Grundmotivation ist das Motto „Ehre wem Ehre gebührt“. Mit einem Dienst wie PlagScan können solche Grundqualitäten optimal gewährleistet werden. „Wir wollen Schülern akademisches Arbeiten beibringen“, sagt Goldbach und bezieht sich auf Fähigkeiten wie korrektes Zitieren und den richtigen Umgang bei der Verarbeitung von Informationen und komplexen Texten.

Ende 2014 bis Anfang 2015 hielt sich Goldbach im Silicon Valley des sonnigen Kaliforniens auf, um PlagScans Erfolg auch auf dem US Markt zu etablieren. Über 30 Amerikanische Kunden, von kleinen Schulen und Verlagen bis zu großen Universitäten, arbeiten schon mit PlagScan. „Man merkt, dass unser Produkt reif ist für den internationalen Markt“, formuliert er seine Erkenntnis. „Woran wir noch arbeiten müssen sind Marketing und Vertrieb im Allgemeinen“. Zwar gibt es schon einen starken Marktführer unter den Plagiat-Scannern, aber er zeigt sich (noch) mit einem zweiten Platz ganz zufrieden.

Zum Alleinstellungsmerkmal von PlagScan gehören beispielsweise die strengen Datenschutz und Copyright Regulierungen und seine preisgekrönte Benutzbarkeit. Demnach werden die Daten und Dokumente der Benutzer nie an Dritte weitergegeben, was bei vielen Wettbewerbern oft nicht der Fall ist. „Je nach Nische und speziellen Bedürfnissen ist man bei uns besser aufgehoben“, zeigt sich Goldbach selbstsicher.

Neben Hochschulen zeigen auch immer mehr Unternehmen Interesse an PlagScan. Mittlerweile kommen schon 30 Prozent der Kunden von außerhalb des akademischen Marktes. Unternehmen wollen online einzigartige Inhalte anbieten, streben nach Suchmaschinen-Optimierung oder kaufen Texte für den Content. Die Tendenz steigt, der Markt ist groß und bisher gibt es im Business-Markt noch keinen klaren Marktführer.

Die Pläne sind groß: Viele lokale Präsenzen sollen aufgebaut, das US-Geschäft weiter ausgebaut und Märkte in Indien und Europa erobert werden. „PlagScan ist gut aufgestellt“ weiß Goldbach. „Wir freuen uns schon unser eigenes Büro endlich einzurichten; ganz nach PlagScan Manier mir Kicker, Box Sack und xBox“, scherzt Goldbach, „aber Schreibtische fürs Arbeiten wird es natürlich auch geben“. Neue Räume für den Weg zur Marktführerschaft …

Seite-38-web-plagscan

Die Gründer von PlagScan: Johannes Knabe (links), Markus Goldbach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Fotos: @www.plagscan.com

Drucken Drucken