Crowdfounding for Biotecs

Die Crowd, der weiße Ritter für Gründer aus den Life Sciences?

Finanzierungen durch die Crowd werden in Deutschland seit 2011 immer beliebter und die Kampagnen größer und erfolgreicher. Anbieter wie z.B. Seedmatch, Startnext, Companisto und Innovestment bieten in Deutschland eine Plattform für Startups, Unternehmen und Investoren.

Insgesamt investierte die Crowd zwischen 2011 und 2014 in Deutschland eine Gesamtsumme von 51 Millionen Euro in mehr als 2.800 Projekte [Quelle: Fuer-Gruender.de]. Doch damit ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verfügen die Einwohner in Deutschland über ein Vermögen von 9,3 Billionen Euro und der Branchenverband BITKOM (Studie 2014) geht davon aus, dass circa fünf Prozent der Bundesbürger in crowdfinanzierte Startups investieren würden. Viel Potenzial also für diese alternative Finanzierungsform – auch für die Life Sciences.( Beitragsbild, Quelle: Freedigitalphotos.net/Zdiviv)

Crowdinvesting ohne 100.000 €-Limit ist auch für Life Sciences attraktiv

Für Startups aus den Life Sciences war Crowdfunding zunächst keine geeignete Finanzierungsform, da die maximale Investmentsumme bei 100.000 € lag und nur einmal auf 200.000 € erhöht werden konnte. Bei Investmentsummen über diesen Betrag unterliegt man in Deutschland der Prospektpflicht, wie sie auch für den öffentlichen Handel mit Wertpapieren gilt. Für eine Crowdfunding-Kampagne ein unverhältnismäßig hoher Aufwand. Eine anerkannte und von der Prospektpflicht ausgenommene Form des Investments ist das partiarische Nachrangdarlehen, eine Form der stillen Beteiligung, bei der der Investor am Gewinn beteiligt wird. Diese spezielle Form des Crowdfundings wird in Deutschland Crowdinvesting genannt und ist in Deutschland gegenüber dem ursprünglichen Crowdfunding, bei dem es oft nur ein kleines Geschenk, ein Dankeschön und nur teilweise eine Beteiligung am Unternehmen oder Erfolg gibt, nach Investitionssummen in den letzten Jahren deutlich gewachsen.

Seite 30 Crowdfunding_in_D_KBK 020315

Crowdfunding in Deutschland; Quelle: Fuer-Gruender.de

 

Die Crowdfunding-Plattform Seedmatch, über die die ersten beiden Kampagnen aus den Liefe Sciences gestartet und erfolgreich beendet wurden, hat im November 2012 den Beteiligungsvertrag für Investoren derart geändert, dass Kampagnen über 100.000 € möglich wurden.

Hier liegt die Chance für kapitalintensivere Projekte aus den Life Sciences, die auf diese Weise auch größere Beträge einsammeln können, wie die ersten erfolgreich abgeschlossenen Kampagnen zeigen. OvulaRing und OakLabs konnten 2014 insgesamt 800.00 € Kapital einsammeln und Riboxx Anfang 2015 eine Million Euro. NeuroProof möchte mit der aktuell noch aktiven Crowdfunding-Kampagne sogar drei Millionen Euro mit Hilfe der Crowd finanzieren.

Seite 30_31 Timeline_Crowdfunding_B 120315

Timeline Crowdfunding

Investoren gewinnen mit guten Stories und Renditechancen

Dass Crowdfunding überhaupt eine Kapitalquelle für Biotechnologie- oder Medizintechnikunternehmen sein könnte, erschien noch 2013 abwegig. Einerseits war in vielen Köpfen noch das 100.000 €-Limit verankert, andererseits war und ist es fraglich, inwieweit man kleine, vor allem private Investoren von risikoreichen und komplexen Projekten überzeugen kann. Die abgeschlossenen und aktiven Crowdfunding-Kampagnen zeigen, was das Erfolgsgeheimnis dahinter ist.

In allen Crowdfunding-Kampagnen wird zunächst eine gut aufbereitete Story erzählt, die potentiellen Investoren laienverständlich zeigt, welchen Nutzen das Projekt für sie oder die Allgemeinheit hat. Bei OvulaRing ist es Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch, bei Riboxx die Krebstherapie, bei OakLabs die schnelle Analyse von z.B. Lebensmitteln („Pferdefleisch“), bei NeuroProtect die Suche nach neuen Therapeutika gegen z.B. Alzheimer und bei Metabolics Discoveries die Aussicht auf ein gesünderes Leben. Es werden auf diese Weise private Investoren angesprochen, die selbst direkt oder indirekt betroffen sind oder mit ihrem Investment etwas Sinnvolles machen möchten. Gleichzeitig bieten die Investments aber auch gute Renditen bei Erfolg des Startups. Dies spricht ebenso klassische Investoren an, die Investments mit guten Renditeoptionen suchen.

Der Erfolg einer Crowdfunding-Kampagne für Startups aus den Life Sciences hängt also davon ab, wie gut Nutzen und Sinn laienverständlich kommuniziert werden, aber auch von der umfassenden Ansprache verschiedener Investorentypen.

Schließt die Crowd die Finanzierungslücke in der Biotechnologie?

Die Deutsche Bank stellt in ihrem aktuellen Branchen-Report Biotechnologie (11.02.2015) Crowdfunding als eine alternative Finanzierungsmöglichkeit vor, um die Finanzierungslücke in der Biotechnologie zu überwinden. Der Report wirft aber auch die Frage auf, ob kostenintensive Projekte durch Crowdfunding ausreichend finanziert werden können. Eine unzureichende Finanzierung würde schnell zum Scheitern des ganzen Unternehmens führen, was für weitere Crowdfunding-Kampagnen fatale Folgen haben könnte. Bereits jetzt sind einige aussichtsreiche, crowdfinanzierte Startups aus anderen Branchen gescheitert, da ihr Geschäftsmodell nicht funktionierte oder die finanziellen Mittel nicht ausreichend waren. Besonders in einer kleinen Branche wie der Biotechnologie würde das Investoren abschrecken und zukünftiges Crowdfunding erschweren.

Auch wenn das vermeintlich schnelle Geld durch Crowdfunding verlockend erscheint, ist es doch nur für Startups empfehlenswert, deren Finanzbedarf überschaubar ist, die bereits ein Produkt oder eine Dienstleistung haben und die einen klar erkennbaren Nutzen darstellen können. Für diese Startups ist Crowdfunding eine attraktive Finanzierungsoption, die zukünftig noch weiter an Bedeutung in Deutschland gewinnen wird.

 

Seite-31-web-KBK

KBK Concept Dr. Kathrin Ballesteros Katemann Thüringer Str. 2 71701 Schwieberdingen Tel. 07150-389852 ballesteros@kbk-concept.de www.kbk-concept.de

Startbild: © Freedigitalphotos.net/Zdiviv

 

Drucken Drucken