Das Igel-Prinzip

Dieser BLOG wurde von der Moderatorin Ann Kristin Barth, Barth Caaching, zu unserer Kalker Tafelrunde am 19.11.2014 geschrieben.

 

„Wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein“. Dieses Zitat gilt als beliebtes Credo unserer immer mehr zunehmenden Leistungsgesellschaft und ich habe mich diesem bisher auch ohne nachzudenken oft verschrieben. Auf der heutigen Kalker Tafelrunde im Rechtsrheinischen Gründungs-zentrum (RTZ) wurden dieses und andere gebräuchliche Annahmen zum Thema „Qualitätsmanagement“ genauer unter die Lupe genommen. Die Referentin Ulrike Pollmann (DIALOG GmbH) blickte durchaus kritisch und mit provozierenden Aussagen auf ihr Thema: So beschäftigten wir uns mit Zitaten wie folgenden:

„Qualität ist der Name für die unverschämt hohen Anforderungen der Kunden an Produkte und Dienstleistungen.“

oder

„Mit Qualität hat man immer Erfolg, leider funktioniert es manchmal auch ohne.“

Ich war überrascht, welche Perspektiven die Teilnehmenden einbrachten. Es ging von dem persönlichen Wunsch, Produkten und Dienstleistungen einen individuellen Wert zu geben und Kundenwünsche nicht standardisiert zu behandeln bis hin zu der Frage: Wann sind die Erwartungen der Kunden möglicherweise zu hoch? Wann tut man zu viel und muss möglicherweise erklären, aus welchen Gründen das nicht geht. Ein Spannungsfeld zwischen Wertschätzung, Nachhaltigkeit (beständige Qualität statt Quantität) und persönlichen und organisatorischen Leistungsgrenzen.

Die Referentin empfahl das „Igel-Prinzip“: Wenn Gefahr droht entscheidet sich der Gejagte zwischen verschiedenen Optionen wie Flucht, Kampf oder Verstecken. Der Igel dagegen hat eine klare Strategie: Er igelt sich ein und hält so die Angreifer fern. Übertragen heißt das also: Nicht viele verschiedene Lösungswege, sondern bei seiner eigenen, ganz individuellen Strategie bleiben. Kaum ein Unternehmen kann für alle Bedürfnisse seiner Kunden Lösungen anbieten. Wichtig ist deshalb, gut zu kommunizieren, welche Leistungen möglich sind und welche auch nicht und aus welchen Gründen.

Ein großes STOP-Schild forderte am Ende des Vortrags die Teilnehmenden dazu auf, einmal in Ruhe zu reflektieren: „Wozu wollen wir „NEIN“ sagen?“. Also sich darüber klar werden: was passt nicht zu uns und unserer Philosophie. Was gehört ins Portfolio und wie sollen unsere Kundenbeziehungen aussehen. Eine Frage, mit der ich mich auch morgen mit meinen Teilnehmenden im Business Model Canvas Workshop beschäftige. Und eine wichtige Frage für das persönliche Stressmanagement: Weniger Tausendfüßler, mehr Igel.

www.barth-coaching.de

 

Drucken Drucken