Das Rheinland – innovativ, bio-logisch und digital

Konrad Beikircher

Also manchmal kommen Nachrichten hoch, da fällst Du vom Glauben ab: Niemand spreche positiv über das Rheinland, heißt es da, vor allem im Kreise der Biotechnologen. Da frage ich gegen, was ist Biotechnologie und wer sind die Biotechnologen?

Jetzt finde ich ja zum einen, dass die beiden Wörter Bio und Technik aber so wat von nicht zusammenpassen, dat is ja quasi eine klassische „contradictio in adiecto“. Was das nun wieder ist? Ah ja, die digitalisierte Welt: überall den Finger drin haben wollen aber dann nicht wissen, wo er eigentlich steckt. Das ist Latein! Und da werde ich gerne ein bißchen bildungseitel: wer nicht weiß, wat dat heißt, soll selber googeln, ich brauch’ es nicht, weil ich es weiß. Also die Biotechnologen, die reden nicht positiv über das Rheinland. Natürlich erhebt sich da direkt die Frage: warum dat dann? Und ich kann ihnen antworten. Das liegt daran, dass die Biotech’s im Rheinland nix finden, was mit ihrem Beruf zu tun hätte, hier:

Bioelektronik. Da kann man Biosensoren entwickeln. Ja schön, nur: braucht dat der Rheinländer? Nee. Der Rheinländer weiß, dass er lebt und zwar voll-bio-mäßig. Biosensoren, also Sensoren, die feststellen können, ob jemand lebt, braucht nur der Westfale: der ist nämlich so positionsstabil, dass du schon Sensoren brauchst um festzustellen, ob er sich überhaupt bewegt hat, sprich: ob er überhaupt lebt. Gut, die Biosensoren sind noch im Anfangsstadium und über die Glocke am Hals nicht hinausgekommen, aber: manchem Westfalen steht die Glocke besser als eine Krawatte, zumal der Westfale sie nur binden kann, wenn sie daumendicke Strickstärke besitzt.

Oder: Reprogenetik, also das Nutzen von Stammzellen zur genetischen Rückverfolgung menschlicher Organismen. Das ist z.B. in Düsseldorf besonders wichtig, weil die ja immer daran zweifeln, ob sie wirklich Neandertaler sind oder nicht. Der leider verstorbene Oberbürgermeister Erwin hat bei der Umbenennung der Südbrücke in „Kardinal- Frings-Brücke“ versucht, dieses Geheimnis zu lüften, indem er bei der Enthüllung der Gedenktafel sagte: „Übrigens: der Neandertaler war gar kein Urmensch, er war ein in Düsseldorfer Gefangenschaft verhungerter Neusser!“, was prompt von den Neussern gekontert wurde: „Und wir Neusser sind schon in der Fronleichnamsprozession mitgegangen, da haben die Düsseldorfer noch die Missionare gefressen!“ Wir wissen es aber längst: der Düsseldorfer muss Neandertaler gewesen sein, gucken Sie sich mal die Altstadt am Sonntag früh um 5 Uhr genauer an, dann wissen Sie Bescheid! Aber Biotechnologen können es jetzt wissenschaftlich beweisen! Ich sage Ihnen: wenn die Reprogenetiker so zielführend weiterarbeiten wie bisher, dann dauert es keine drei Generationen und die Düsseldorfer Maßschneider müssen umnähen: gekrümmte quadratische Rücken, Beine kappen, Ärmel verlängern, da kommt Arbeit auf die Düsseldorfer zu. Also für das normale Rheinland ebenfalls uninteressant.

Oder: Protein-Engineering: das ist die Technologie, mit der man Proteine für neue Aufgaben verändern kann, das ist z.B. beim Sauerländer wichtig, den man mit denaturiertem Warsteiner entsäuern kann genauso wie man mit genetisch manipulierten Chromosomen Mettwürste zeugungsfähig machen kann. Die Föten werden dann in der Potthucke ausgetragen, so braucht die Sauerländerin nicht mehr tätig werden und kann sich dem Ackerbau und der Viehzucht widmen. Hat der Rheinländer nicht nötig: Kölsch ist diuretisch und säubert die Nieren, hält also den ganzen Körper giftfrei und braucht deshalb keine Biotechnologen. Worüber die natürlich „am Sicken“ sind, is klar.

Xenotransplantation, hochbrisant und aktuell: eine Biotechnik, die sich mit der Übertragung von Gewebezellen und Geweben zwischen verschiedenen Spezies befasst. Da ist der Rheinländer als Spender zwar hochbegehrt, die wirkliche Arbeit liegt aber beim Empfänger. Da werden gesunde Gewebe von Rheinländern gerne an bayrische Hälse angelegt und sobald der Kropf vom rheinischen Gewebe abgestoßen ist, wird er entsorgt und da treten die Kollegen von der Bioremediation auf den Plan: sie kümmern sich als Biotechnologen darum, dass diese Altlasten im Boden entgiftet und abgebaut werden können, was gerne mit Hilfe von Bakterien passiert, die vornehmlich aus dem Niederrhein kommen. Komplexe Arbeitsfelder, bei denen aber das Rheinland keine Rolle spielt, höchstens schon mal als Spender, wie gesagt.

So wird sich die Biotechnologie also noch jahrzehntelang mit vielen Phänomenen befassen, die aber alle nicht im Rheinland ihren Schwerpunkt haben. Lass die Biotechnologen also über das Rheinland die Nase rümpfen (wir tun es auch, wenn wir an ihren Kläranlagen vorbeilaufen), das Rheinland hat sie nicht nötig! Wir sind längst, was unsere Wirtschaft betrifft, schon innovativ und digital, aber hallo!. Und da sind wir wieder beim Latein: digital kommt von digitus, das heißt der Finger. Also: Gehen Sie mal in eine richtige rheinische Wirtschaft (das ist da, wo Politik, Kultur, kurz: das Leben pulsiert) und stellen Sie sich an die Theke. Sie werden feststellen, wie digitalisiert das Rheinland ist: da braucht nicht mehr gesprochen werden, das geht alles digital: du stehst in der zweiten Reihe, hebst die Hand und zeigst drei Finger, was passiert? Schwupp, kriegst du drei Kölsch. Und bist du Schreiner und der Wirt weiß das, brauchst du nur den Zeigefinger und den kleinen Finger zu heben, dann kriegst du vier Kölsch. Na? Ist das digital? Aber hallo! Und so soll es auch bleiben, das Rheinland: innovativ und digital! Tschöö, Biotech’s – Maaht et jot, ewwer woanders!

http://www.beikircher.de

 

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