Die kölsche KI

Das kölsche Grundgesetz als Vorläufer der intelligenten Digitalisierung

Text von Konrad Beikircher

Also das mit dem Computer, mit der zunehmenden Fingertechnik (oder heißt digitus nicht ‚der Finger‘?, na also!) und der exorbitanten Weiterentwicklung in Lichtgeschwindigkeit von dem janzen Internet-Jedöns, das wächst einem langsam ja wirklich övver dä Kopp. Jetzt geht es schon damit los, dass die Maschinen nicht nur besser arbeiten als die Menschen, das war ja schon immer so, sondern dass sie auch noch fühlen wie Menschen und sogar vorausschauend denken können und das auch noch besser als wir.

Da fällt mir nur der geniale Roboter Marvin ein, aus dem Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“, Sie wissen schon: völlig depressiv schlurft er durch die Gänge des Raumschiffs und kühmt: „Ich bin der fähigste Roboter aller Zeiten, ich kann in Sekunden die Bewegungen der Sonnensysteme und Galaxien des gesamten Universums ausrechnen und was ist: ich muss Menschen erklären, wie man beim Essensautomaten ein paar Fritten bestellt!“.

Tja, liebe Freunde, daran denkt nämlich keiner: Was mit den künstlichen Intelligenzen passieren wird, wenn die uns erst einmal überholt haben und die ganze Wahrheit über uns wissen. Was meinen Sie, wie enttäuscht die sein werden. Eine Maschine nach der anderen wird sich die Kugel geben, weil: Gegen Dummheit, das wussten schon die alten Griechen, kämpfen selbst Götter vergebens. Und genau das wissen die Maschinen auch. Und dass wir nicht wirklich besonders intelligent sind, bis auf ein paar einzelne Ausnahmen, wird von keinem bestritten werden, der sich umschaut. Außerdem wissen die KI-Maschinen besser als wir, wo es bei der Interaktion mit ihnen hakt: Das sind nicht sie, die nicht funktionieren, das sind wir.

Ich sage nur Flughafen Berlin, Deutsche Bundesbahn, Bundesverkehrsminister etc. etc. Ich bin aber überzeugt davon, dass das ein ganz raffinierter Plan der Evolution ist: der Versuch, uns Zweibeiner mit Intelligenz auszustatten ist ja offensichtlich gescheitert, jetzt kommt Plan B. Nach Schachtelhalmen und Trilobiten waren die Dinosaurier der erste Versuch, Leben in größeren Dimensionen, als es die Einzeller bieten, auf diesen Planeten zu pflanzen. Gut, hat nicht geklappt, da waren ja auch intellektuelle Plattfische drunter, ich sage nur Tyrannosaurus Rex, ein Flachhirn, wie es im Buch steht, reiner Fleischfresser, weiß Bescheid, man sieht ja bei den Trump-Wählern, was herauskommt, wenn sich einer nur von Burgern ernährt.

Schnell hat die Evolution erkannt: der Drang in die Höhe war verkehrt und hat die Dinos an die Wand laufen lassen. Übrigens nicht mit einem Asteroiden, nee, die sind an der Aussprache ihrer komplizierten Namen erstickt, ich meine so was wie Avemetatarsalier-/Ornithodiren-Linie, das kriegt doch so ein Plattfisch nicht hin. Der zweite Versuch waren wir, angefangen mit ein paar Bonsai-Mäusen, die sich unter den Schachtelhalmen verstecken konnten und wenn ich mich umsehe, habe ich den Eindruck, dass so viel mehr an Intelligenz nicht dazugekommen sein kann.

Über Fred Feuerstein, Wilma und Barney Geröllheimer ging die Entwicklung weiter, in Paderborn wurde das Rad erfunden (wissen Sie warum das in Paderborn war? Weil das Rad der einzige Weg war, so schnell wie möglich aus Paderborn rauszukommen!), die alten Griechen haben entdeckt, dass die Erde doch keine Scheibe ist (obwohl schon der Augenschein zeigt, dass das nicht stimmen kann, fahren Sie mal nach Niederkrüchten, dann sehen Sie: aha, hier ist der Rand der Scheibe, hier fängt das Nirwana an!), aber: die alten Griechen haben den ersten Computer entwickelt, wussten Sie das?! In der Ägäis ist das Maschinchen entdeckt worden, also die waren hart dran an unserer Zukunft. Mein Gott, wenn da nicht der Römer gekommen wäre, hätten wir uns 2000 Jahre Evolution sparen können, KI hätte die Macht übernommen und alles wäre besser gelaufen. Keine Inquisition, keine Hexenverbrennungen, kein Stalin, kein Hitler… Oder könnten Sie sich vorstellen, dass es einen Roboter gäbe, der einen Sprengstoffgürtel trägt und sich für den IS in die Luft jagt? WC, wohl kaum, wie der Rheinländer sagt.

Gut, die Roboter würden anders aussehen, trügen wahrscheinlich einen Lorbeerkranz om Kopp und irgendeine antike Tunika über den Scharnieren, aber so what? Wär doch auch in Ordnung, oder?! Nun hat also die Evolution erkannt, dass das mit dem Menschen nix war, dass der dabei ist, den ganzen Globus an die Wand zu fahren, also kommt Plan B, künstliche Intelligenz. Bisschen spät vielleicht, wie gesagt, aber wird schon noch. Und da kommt jetzt endlich Köln ins Spiel, denn hier hat Plan B, diese neue evolutionäre Entwicklung, ihren Anfang genommen und zwar beim Päffgen im Kölsch-Labor.

Da haben die vor zwanzig Jahren den ersten interaktiven Computer entwickelt, der mitdenkt, eigene Entscheidungen trifft und mit dem man sprechen kann, kurz: die Vorstufe zur KI. Die Null-Serie hieß „Zementens“, weil auch KI Zeit braucht, bis sie in die Gänge kommt. Da kann er schon mal nachschauen, ob die Festplatte noch festsitzt, ob Schrauben zu justieren sind, ob dafür überhaupt noch Software im Nusskasten ist, ob noch Leergut im Servicebereich da ist, ob die Leitung zum Päffgen online ist oder ob der ganze „Zementens“ auf Alt umgestellt wurde (grobe Sabotage, aber den Düsseldorfern ist so manches zuzutrauen), stimmt das Passwort noch („Zwei Kölsch ein Gespritzter“) etc pp. Du stehst also auf, dann wirfst Du den Zementens an und kannst Dir erstmal schön lecker Tässchen Kaffee machen.

Sie sehen, die kölsche KI ist dem menschlichen Lebenstempo sehr angemessen. Rechts am Gehäuse ist eine kleine Halterung für ein Stängelchen Päffgen-Kölsch, in der Düsseldorf- Version waren da sogar ein paar Brillanten dran. Dann gab es zwei Zusatztasten: auf der einen standen drei K’s drauf, auf der anderen „FV!“. Dann kann es losgehen. Er hat die Dateien in Bierdeckelform auf dem Bildschirm verteilt und jetzt spricht er Dich an: „Also dann, froch mich jet!“.

§ 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet!

Sobald Du ihm aber was eingibst, sagt er Dir: „Och, froch mich nit!“. Insistierst Du, dann sagt er „Dat jeiht nit esu schnell, do muss ich ens nohluure!“. Jetzt wirst Du ungeduldig und drückst die Taste mit den drei K’s: „Kumm! Kumm! Kumm!“. Prompt erwidert er: “Ich finge ming Brill nit, dat duert noch jet!“ Das aber ist der Moment für die „FV“ Taste: „Flück vüran!“ da taucht er aus dem Koma auf, schmeißt einen Stapel Bierdeckel-Dateien auf den Schreibtisch und meint: „Do es dä Krom. Un jetz?“ Aber, und das war der entscheidende Moment bei der Entwicklung dieses ersten Vertreters der künstlichen Intelligenz, er entwickelte sofort typisch rheinische Eigenständigkeit, das heißt: die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und selbständig durchzuführen.

Weil er vom rheinischen Konstrukteur bei Päffgen auch einen gewissen Widerwillen gegen allzuviel Arbeit übernommen hatte, so weit ging seine Empathie schon damals, nutzte er den stand-by-modus nachts, heimlich ein bit nach dem anderen von der Festplatte zu fegen und durch die Steckdose ins Netz zu entsorgen, so nach Art.§ 4a des kölschen Grundgesetzes, das er natürlich sofort übernommen hatte: „Watt fott is, is fott!“.

Und wenn ihn der Konstrukteur am nächsten Tag fragte, wo denn die Daten von gestern seien, tat er erst – welcher Rheinländer kennt das nicht – unschuldig: „Ich weiß nit, wo dat Zeug es“, nach Betätigung der 3-K-Taste jedoch strahlte er auf und sagte: „Ich weiß, wo dat es: dat es fott!“. Sie sehen, wie weit die empathischen Fähigkeiten dieses ersten kölschen Vertreters der KI gingen. Genial, oder?!

www.beikircher.de

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