FinTechs – Finanzdienstleister der Zukunft?

Digitalisierung verändert die Welt
Einen Kredit aufnehmen, Geld anlegen oder überweisen, derartige Tätigkeiten lagen bis vor kurzem noch exklusiv im Geschäftsbereich von Banken – bis die ersten neuen Player am Markt auftauchten. Die Auswirkungen des digitalen Wandels haben bereits eine ganze Reihe von Branchen durchlebt. Momentan sieht sich vor allem die Bankenlandschaft mit dem Thema konfrontiert.

So genannte FinTechs sind in erster Linie junge Start-ups, die finanzbezogene Dienstleistungen intelligenter, schneller, einfacher, günstiger und passgenauer auf den Kunden abgestimmt anbieten. Der Begriff FinTech setzt sich aus den Wörtern „Finanzen“ und „Technologie“ zusammen und bezeichnet den webbasierten und digitalen Einsatz moderner Technologien im Bereich Finanzdienstleistungen. Die FinTechs nehmen dabei die Rolle eines spezialisierten Finanzintermediärs, der sich in der Regel auf eine Nische fokussiert, ein. Weltweit gibt es rund 12.000 FinTech-Start-ups, die sich in nahezu allen Bereichen des Bankgeschäfts tummeln. In
Deutschland kann man aktuell von über 500 FinTechs relevanter Größe ausgehen. Die Städte Berlin und Frankfurt am Main haben sich dabei als Zentrum der Szene in Deutschland herauskristallisiert.

FinTechs haben sich zur Aufgabe gemacht nicht nur einzelne Bankdienstleistungen nachzubilden, sondern auch völlig neue Leistungen und Angebote zu entwickeln. Bisher haben sich diese Entwicklungen vor allem auf Privatkunden konzentriert, da hier oft weniger spezifisches Fachwissen erforderlich ist und die Einstiegshürden geringer sind. Da immer mehr Deutsche Onlineshopping nutzen und zudem ein Smartphone besitzen, können die FinTechs mit ihren klar auf Digitalisierung ausgerichteten Angeboten hier leicht punkten.

Typische FinTech-Geschäftsmodelle für Privatkunden finden sich vor allem in den Bereichen: Alternative Bezahlverfahren; Banking (Kontoauswertungen, Online-Banking); Sparen und Geldanlage (z.B. Robo-Advisory); Konsumentenkredite, Crowdfunding, Versicherungen (auch Insure- Techs genannt) und Kryptowährungen. Zunehmend richten sich FinTechs nun aber auch an Firmenkunden, wobei vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen im Fokus stehen. Die Angebote für Unternehmenskunden decken dabei bereits die gesamte Unternehmensbilanz ab. Zur Optimierung der Aktivseite gibt es z.B. FinTech-Lösungen im Bereich Working Capital, Liquiditätssteuerung, Factoring und Investment.

Für die Passivseite gibt es zahlreiche Angebote zur Vermittlung und Beschaffung von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital. Dazu gibt es auch für Unternehmen Angebote im Bereich Kontoführung und -auswertung, Zahlungsabwicklung, Währungsmanagement, Versicherung usw.

Für den deutschen Mittelstand, der häufig über langjährige Hausbankbeziehungen verfügt, spielen gerade in Finanzfragen Vertrauen und Verlässlichkeit eine entscheidende Rolle. Entsprechend hoch ist die Skepsis gegenüber den neuen Playern. Die noch jungen FinTechs müssen hier in Zukunft erst noch zeigen, dass auch sie dauerhaft sichere und hochwertige Dienstleistungen erbringen können.

Inzwischen gibt es auffällig viele FinTechs, die mit gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Geschäftsmodellen am Markt aktiv sind. Besonders ausgeprägt ist das im Bereich der Finanzierungsplattformen für Unternehmen sowie beim Thema Geldanlage für Privatkunden. In solchen Bereichen ist in den nächsten Jahren wohl eine deutliche Marktkonsolidierung zu erwarten. Ob es tatsächlich gelingt, signifikante Kundenzahlen aufzubauen und daraus ausreichende Erträge zu erwirtschaften,
um nachhaltige und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen, müssen viele FinTechs erst noch beweisen.

Eine Herausforderung für die etablierten Banken, die das Thema Digitalisierung lange Zeit verschlafen haben, stellen sie jedoch schon heute dar. Auf die neuen Wettbewerber reagieren die Banken recht
differenziert. Es werden Ideen aus dem FinTech-Lager kopiert, es wird kooperiert und auch gekauft. Als eines der bekanntesten Kopier-Beispiele gilt Paydirekt, ein Online- Bezahlsystem deutscher Banken und Sparkassen. Die Bilanz dieses Projektes fällt jedoch bisher sehr ernüchternd aus. Größere Institute betreiben Inkubatoren und Corporate Venture Funds, um sich möglichst früh an den jungen Fin- Techs zu beteiligen. Die Offenheit für Kooperationen mit FinTechs ist in der jüngsten Zeit auf Bankenseite stark gestiegen, wobei auch hier die meisten Kooperationen noch im Privatkundenbereich angesiedelt sind. Gerade kleinere Sparkassen und Volksbanken sind häufig zurückhaltend und setzen weiter allein auf ihre regionale Präsenz. Dies allein könnte sich schon mittelfristig als problematisch erweisen. Natürlich werden die meisten FinTechs wahrscheinlich niemals groß genug, um dem klassischen Bankgeschäft von heute auf morgen gefährlich werden zu können oder es sogar zu ersetzen. Aber die Erfahrung aus anderen Branchen, wie zum Beispiel der Musik- oder der Foto- Branche zeigen, dass es auch bisher nicht im Markt aktiven Unternehmen immer wieder gelingt, traditionelle Märkte dramatisch zu verändern und ganze Geschäftsmodelle hinfällig werden zu lassen. Am Beispiel der Solarisbank zeigt sich, wie weit sich die neuen Finanz-Akteure bereits professionalisiert haben. Das Institut war der erste neue Bankakteur, dem es gelungen ist, eine vollwertige Banklizenz in Deutschland zu erhalten. Mittlerweile besitzen auch Start-ups wie N26, Ayden und
Klarna eine Banklizenz.

Damit müssen sich solche Unternehmen zukünftig jedoch auch intensiv mit dem Thema Regulierung auseinandersetzen, was kostenintensiv ist und die Geschwindigkeit zukünftiger Innovationen hemmen könnte. Viele FinTechs werden deshalb wohl weiter-hin nur ausgewählte Teile der Bank-Wertschöpfungskette abbilden und auf Kooperationen mit bestehenden Banken setzen, ohne eine eigene Vollbanklizenz anzustreben. Spannend – sowohl für die etablierten Banken als auch für die FinTechs – dürfte es werden, wenn die echten digitalen Gamechanger wie etwa Google, Facebook oder Apple den deutschen Markt für sich entdecken und flächendeckend Finanzdienstleistungen anbieten.

© markus-grolik/toonpool.com

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