11 Argumente für den Standort Köln

Weltoffen und lebensfroh – kölsche Lebensart …

Das kann ich Ihnen sagen: ca. 57 vor Christus (die Älteren werden sich noch gut daran erinnern) kam Julius Caesar ins Rheinland. Er war damals römischer Statthalter in Gallien und versuchte die diversen Germanenstämme zu packen. So wollte er in diesem Jahr von Andernach im Holzschlauchboot (das war da gerade erfunden worden und galt als absolute Top-Geheimwaffe, weil aber einige Legionäre statt Luft Wein in die Schläuche gefüllt hatten, und zwar den Cröver Nacktarsch aus Traben-Trarbach an der Mosel, den sie bei der Fahrt von Castra Trevirorum (Trier) nach Confluentes (Koblenz) requiriert hatten und so in Andernach vor Caesar versteckten, der ja aggressiver Antialkoholiker war, gab es bei der Überfahrt Probleme, die zum Kentern führten) nach Neuwied übersetzen, um den Westerwald zu roden, aber, wie gesagt, dazu kam es nicht. Also zog er weiter über Bad Breisig und Castra Gasolinorum (Wesseling) noh Kölle. Dort waren die Eburonen, die er 54 vor Christus unterjochte und zurück nach Holland schickte (die Eburonen waren aber auch die letzten Heuler:sie kamen mit den Wohn-Leiterwagen aus Limburg und Roermond nach Bergheim, Quadrath-Ichendorf und Kölle, parkten vor dem damals schon existierenden Schoko-Museum alles zu und wollten von da aus den Drachenfels, den sie den höchsten Berg Hollands nannten (mons alpinus terrae tuliparum), erobern). Die Eburonen stritten sich dann mit den Ur-Holländern, den Batavern, eine einzige Kifferclique kann ich Ihnen sagen, die erfanden die Kiffer-Kamer und den Coffee-Shop, drängten sie in den Raum Amsterdam, wo die Bataver das Ijssel-Meer aushoben um dort Tabak anzupflanzen, den es heute noch gibt, und siedelten sich dann im flämischen Belgien an, wo sie bis heute für Unruhe sorgen. Die Ubier aber waren in der Zeit in Deutz angesiedelt, die Urkölner kommen also, wie Sie sehen, aus dem Rechtsrheinischen, das nur mal dazu! Jetzt hatten Ihnen die Römer Köln freigeschossen und so traf man sich mitten auf dem Rhein im Holzschlauchboot, das da wieder repariert war (der Optio „Drinkdocheinemitus“ war strafversetzt worden nach Haltern, davon aber gleich), um die Ansiedlungsbedingungen auszuhandeln. Der Ubierchef Roterius traf sich da mit Julius Caesar, man verstand sich prächtig und handelte aus, dass die Römer die Marzellenstrasse und die Tunisstrasse kriegen sollten, um sich da niederzulassen, dass die Ubier aber den Rest bekommen sollten bis hinauf nach Worringen, mit der Maßgabe, alle 30 m einen Cervisia-Ausschank zu machen und zwar Cervisia matutina (Früh-Kölsch). Hat auch alles geklappt: in der Marzellenstraße hat sich der erste neapolitanische Legionär mit einer Pizzeria niedergelassen – heute noch bekannt als Luciano – und hat den Ubiern statt der Pax Romana die Pizza Romana gebracht, damals eine Sensation, heute mehr ein flappiges Wurfgerät. Der Brauch, am Aschermittwoch Pizzas über den Rhein nach Deutz zu werfen, hat sich ja, wie wir alle wissen, seit damals erhalten.

Seite 10_Weinetikett002 030313

Das alles aber bedeutet, dass Kölle schon bei seiner Entstehung eine Stadt mit Migrantenhintergrund war und so ist es bis heute geblieben. Köln ist deshalb so fremdenfreundlich (außer zum Westfalen, aber der hat hier ja wirklich nix verloren), weil ja von allen Fremden auch welche in Köln sind. Manchmal in Vierteln angesiedelt, ich sage nur: Neu-Ehrenfeld wo die kölschen Saudis leben, manchmal in kleinen Reservaten als Karnevalsgesellschaft, wie z.B. die „Original Negerköpp von 1929 e.V.“.

Im Karneval, der ja heute mehr denn je nicht etwa eine Veranstaltung ist, die der Heiterkeit oder dem Scherz gewidmet wäre sondern ein Volksfest, das alle unterschiedlichen Völkergruppen us Kölle zu einem Völkerverständigungsmarsch zusammenbringt, der am Rosenmontag deshalb stattfindet, weil die Rose die Blume der Liebe und der Zusammengehörigkeit ist, im Karneval also treffen sich alle Gruppierungen um gemeinsam durch ihre Stadt zu ziehen und damit der Welt zu zeigen, dass Castra Ubiorum schon bei der Gründung eine Friedensstadt und ein Hort der Koexistenz war.

Der Optio Drinkdocheinemitus sollte ein paar Jahre nach seiner Strafversetzung übrigens eine entscheidende historische Rolle spielen: er war nämlich der Erfinder der Varusschlacht. Er kam ja als junger Optio nach Haltern, wo die 19. Legion stationiert war, in einer Zeit ohne TV, Heizung, Bäder oder sonst einer zivilisatorischen Annehmlichkeit. Einmal im halben Jahr kam die Regimentskasse aus Rom, man schrieb den neuen Bedarf auf, gab ihn dem Legionär mit und ein halbes Jahr später kam dann die nächste Kasse mit dem geforderten Geld. So ist übrigens das kameralistische Prinzip der öffentlichen Buchführung entstanden: sag mir, was du brauchst und du kriegst das Geld dafür. Ob du das wirklich brauchst, interessiert keine Sau (mit diesem Prinzip habe ich als Oberregierungsrat damals in der JVA Siegburg immer Schränke voll mit Papier, Kulis, Rechnern, Schreibmaschinen etc. gehabt: man muss eben im richtigen Moment den Bedarf anmelden). Schon schnell kam der findige Optio auf die Idee, dass ein bisschen mehr Geld einfach besser wäre und meldete einen höheren Bedarf an als tatsächlich. Erst waren es ein paar fiktive Legionäre – quasi als Zusatzgehalt für den Optio – dann wurden es mehr und mehr, schließlich – und da schreiben wir das Jahr 9 nach Christus, standen 24.000 fiktive Legionäre auf der Gehaltsliste und Rom hat bezahlt. Und da passierte es: im Sommer 9 kündete sich eine Buchprüfung an, der Revisor quasi war unterwegs nach Haltern. Da war guter Rat teuer, der gute Drinkdocheinemitius aber war auch hier findig: er erfand kurzerhand die Varusschlacht, bei der 24.000 Soldaten von den Cheruskern aufgerieben worden wären, Varus, der am „Gewinn“ auch reichlich beteiligt gewesen war, spielte mit, gab sich als „Ins Schwert gefallen“ aus und verschwand nach Varel, am Jadebusen, wo sein Name sich bis heute erhalten hat. Augustus rief „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder“ und die Archäologen suchen heute noch vergeblich nach dem Ort, an dem die Schlacht gewesen sein soll. Genial, oder?!

Sie sehen also, was da alles so nebenbei im Schmelztopf Köln (in weiterem Sinne) für die Menschheit erfunden wurde.

In Köln ging es ungebrochen so weiter, auf allen Ebenen. Heute haben wir sogar – und das ist der Gipfel der Toleranz gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund – einen Oberbürgermeister aus dem westfälischen Coesfeld als legitimen Nachfolger von Julius Caesar in unserer Stadt. Die kölsche Toleranz ist somit der höchste Ausdruck einer Geschichte, die mit der Begegnung der Römer mit den Ubiern angefangen hat und die heute im Rosenmontagszug ihre feierliche Prozessionsform gefunden hat. Übrigens haben die Franzosen für ihre Revolution 1789 die kölschen Grundprinzipien geklaut:

‚Fraternitè‘ war: „Drink doch eine mit“

‚Libertè‘ war: „Do simmer dabei“ und

‚Egalitè‘ war:  „Es mir doch ejal“ und das sind die psychologischen Grundwahrheiten des Lebens in unserer wundervollen, toleranten Stadt, in der jeder quasi einen Migrationshintergrund hat. Auch ich. Ist das nicht wunderbar? Na also!

 

Impressum

Titelblatt Svetlana Kilian

Cartoons Karsten Schley, toonpool.com GmbH; Antonia Frebel

Fotos BioRiver e. V.; NUK e. V.; Heinz Bettmann; Konrad Beikircher; steps2startup; RTZ Köln GmbH; Reiss Profile Germany GmbH; Alfred J. Hahnenkamp, Gerd Altmann, Gerd Altmann/metalmarious, pixelio.de; Christopher Götz; Brain Agents; Clemens Hess; Biotechnische Studenteninitiative; Thomas Woite; Birgitta Petershagen; ESA, D. Baumbach; DLR

Grafiken Heinz Bettmann, RTZ Köln GmbH; Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie; Life’s’cool

Drucken Drucken