Heute schon eine Entscheidung getroffen?

Training und Coaching als Werkzeuge in Veränderungsprozessen

Die metaphorische Frage nach dem Füllstand eines beliebigen Trinkgefäßes hält bis heute her für Rückschlüsse auf die Motivation oder das Temperament eines Menschen. Am liebsten in als schwierig empfundenen oder unübersichtlichen Situationen, wie sie Alltag für Gründerinnen und Gründer sind. Die nämlich befinden sich im Stadium der Geschäftsentwicklung, werben für Ihre Ideen, lernen aus Misserfolgen oder stellen sich den Zweifeln – den eigenen und denen anderer Menschen – und all das gefühlt täglich.

Dies ist auch Alltag für Trainerinnern und Trainer oder Coaches, die ihre Seminarteilnehmer oder Klienten bei der Beantwortung all dieser Fragen begleiten. Tschüss Standardantwort, hallo Einzelschicksal? Dies und anderes geht mir durch den Kopf, wenn ich als Trainerin Start-ups unterstütze.

Ich erinnere selbst noch den Tag, an dem mich ein befreundeter Berater und Strategieexperte mitten im Partygewühl nach meiner Vision fragte. Mitten im Gespräch. Ich hatte ihm eben von meinem Angestelltenjob erzählt, die Vorzüge einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung angepriesen. Und doch war ich seit Jahren auch (erfolgreich) freiberuflich unterwegs. Die Tür des Lokals war eine doppelflügelige, und er fragte mich, welche der beiden Türen – die Vision leben oder weiter angestellt bleiben – denn dann meine wäre, wenn ich mich heute für den Rest meines Lebens entscheiden müsste. Und erst mit dieser Frage wurde mir klar, dass am Ende des Tages nicht die Business-Pläne oder die Wertschöpfungsketten entscheiden, ob ich meine Vision lebe oder nicht. Sondern dass vielmehr nur ich selbst es bin, die mit Hilfe der mir innewohnenden Motivation und Kraft eine Entscheidung treffen kann – aber eben nicht muss.

Dieser Weg, auf die Umsatzerwartung zu gründen, wird mit dem Kopf entschieden. Dein Kopf sagt Dir: „Komm´ mach es, das wird auf jeden Fall funktionieren!“ Ein guter Coach vermag mit Dir diesen Satz auseinanderzunehmen: Der Satz beschreibt, was idealerweise in der Zukunft stattfindet. Das heißt, die Entscheidung basiert nicht auf dem Hier und Jetzt, sondern auf dem, wovon Du glaubst, dass es mit Hilfe der anderen und – na klar – des Marktes funktionieren wird. Kannst Du Dich darüber heute schon freuen? Nein, denn Du projizierst in Deine Zukunft. Ich erlebe im Training oft Teilnehmer, die strahlend von ihren Plänen berichten. Die den Drink mit Freunden oder den Besuch im Schwimmbad aufschieben für den Tag, an dem es (hoffentlich) so läuft, wie sie sich das erdacht haben.

Meine Erfahrung sagt: „Dieser Tag kommt nicht.“ Es kommen neue Ideen, die Pläne werden größer oder das Leben kommt dazwischen. Unser Zeiterleben kann uns hier leicht einen Streich spielen. Einen Streich, der Vielen von uns mit vermeintlich guten Gründen das eigentliche Leben aufschieben lässt. Kein Grund zur Bitterkeit, kein Grund, das Gründungsvorhaben aufzugeben, sondern vielmehr ein aufmunternder Schulterklopfer, um sich der eigenen Entscheidungen im täglichen Tun bewusst(er) zu werden.

Diese Fragen laden Dich vielleicht ein, einmal genauer hinzuschauen:

  • Warum tust Du, was Du tust?
  • Was bringt Dir das für Dich persönlich?
  • Worauf bist Du persönlich stolz?
  • Hand auf´s Herz: Ist das das Leben, von dem Du früher geträumt hast?

Wenn Dir das zu nah geht, dann geht vielleicht dieser Weg: Erfasse akribisch alle Tätigkeiten, die Du an mindestens drei beliebigen Tagen erledigst und protokolliere sie. Es wäre eine alternative Herangehensweise an die Frage, wozu Du Dich entschieden hast. Wenn Du Deine Ziele klar siehst, dann entsprechen die Aktivitäten, die auf Deiner Liste stehen, genau diesen Zielen! Wo Zeit verrinnt, ohne dass Du emotional oder kognitiv klar erkennst, was gerade mit Dir passiert, da fehlt das Ziel. Oder es ist nicht klar genug formuliert oder – sehr beliebt in Veränderungsphasen – Du hast eigentlich gar keinen Bock darauf! Du willst es einfach nicht! Du kannst es vielleicht nicht erklären, gefühlsmäßig ist es Dir aber sehr klar.

Diese Motivationslage – etwas tun, obwohl wir selbst es eigentlich gar nicht mögen – verdeckt zuweilen geschickt, welche Vorannahmen wir unseren Zielen zugrunde gelegt haben, wenn auch meistens unbewusst. Zum Beispiel die Idee, es zu etwas bringen zu müssen! Oder es den eigenen Angehörigen zeigen! Niemand wird sich anschicken, hier eine Bewertung vorzunehmen und über richtig oder falsch zu urteilen. Das wäre auch ein Taschenspielertrick, der in meiner ureigenen Erfahrung exakt Null dazu beiträgt, solche Muster im eigenen Verhalten durch günstigere zu ersetzen.

Hast Du das? Kannst Du das annehmen oder wehrst Du Dich innerlich?

Und was leistet hier nun Training? Ich verstehe es als strukturierte Qualifizierung: Du bekommst Ideen für neue oder andere Verhaltensweisen als die, die Du tagtäglich schon zeigst. Das ist so ähnlich wie beim Klavierspielen: Du erschließt Dir bislang verborgene Tastenbereiche, von denen Du im Anschluss zu erkennen suchst, was davon zu Deiner Melodie gut passt. Coaching funktioniert da anders: Hier bist Du als Klient derjenige, der sagt, wo die aktuelle Melodie Misstöne hat oder wo Dir noch eine Passage fehlt. Der Coach begleitet Dich in Bezug auf Deine Ziele, der Trainer bringt Dir eine Idee mit, wie es funktionieren könnte und bietet Dir einen geschützten Raum zum Testen.

Ich verbringe regelmäßig Zeit mit der Lektüre von Biographien mich beeindruckender Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens, der Wissenschaft oder des Sports. Mich interessiert, wie diese Menschen es angestellt haben, was sie anders gemacht haben als die, die gescheitert sind oder immer noch scheitern. So arbeite ich auch in meinen Trainings und im Coaching: Für mich geht es im Kern darum, die eigenen Entscheidungen transparent zu machen und immer wieder neu zu überprüfen, ob sie gut genug für mich sind! Das klingt technisch, ist aber zuweilen ziemlich emotional.

Es ist die Stichflamme, die Du fühlst und die Dich glauben macht, dass das, was Du gerade machst, funktioniert. Jetzt.

www.pamelaluckau.de

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Dr. Pamela Luckau Trainerin, Coach, Dozentin

Startfoto: @ P. Luckau

 

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