RheinZeiger 36

Liebe RheinZeiger-Leser,

seit vielen Monaten redet die Welt sehr viel über Corona. Tatsächlich ist die Pandemie für die deutsche Wirtschaft mehr als eine große Herausforderung. Und sie trifft insbesondere auch die deutschen Startups. Sollte die Krise andauern ist sogar zu befürchten, dass sich das Innovationspotential des Landes stark rückläufig entwickeln könnte. Möglicherweise steht eine ganze Generation höchst innovativer Startups derzeit auf Messers Schneide.

Dies war zu lesen in der Pressemitteilung des Bundesverbandes der Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ) vom 20. Juli 2020. Diese Pressemitteilung war mehr als berechtigt, hatte doch die Politik einen Rettungsschirm auf den Weg gebracht, der Gründer offenbar in zwei Klassen einteilte. Im Nachgang kamen sowohl vom BVIZ als auch von Allventures konstruktive Vorschläge zur ebenso gerechten als auch wirksamen Unterstützung der Startups. Im letzten RheinZeiger hatte Bianca Schiffgens mit ihrem Artikel „Agilität neu definiert“ deutlich auf die Situation von Startups in Corona-Zeiten hingewiesen.

Dieser Beitrag wurde danach in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert. Manch einer beschrieb Corona als ein agiles Instrument zur Auslösung eines „Survival oft he fittest“. Unternehmertum pur oder soziale Marktwirtschaft? Für mich sind alle Startups bewundernswert, die sich mit ihren kreativen und innovativen Geschäftsmodellen durchs Leben schlagen und dabei auch erfolgreich sind. Wenn in solchen Corona-Zeiten die Politik verlauten lässt, dass man gerne Startups unterstützt, aber eben nur solche, die gut sind, und gut dann definiert als „finanziert mit Eigenkapital von VCs und Business Angeln“, dann ist das schade. Viele Startups kriegen das hin ohne Finanzierung über Eigen- oder Fremdkapital, und genau die sind in meinen Augen wirklich gut. Da sind Aktionen, wie sie derzeit von der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH (KBW) durchgeführt werden, wirklich zu loben. Es gilt, Gründerökosysteme zu unterstützen – KBW und BVIZ machen es vor. Wir brauchen auch morgen noch Startups, denn diese Startups sind bekanntlich übermorgen der Mittelstand …

Derzeit scheint alles neu, alles anders. Aber darin liegen auch Chancen. Unternehmertum wird wichtig bleiben, auch wenn sich eine Selbstständigen-Quote von 20 % in Deutschland wohl nicht realisieren lässt. Die Gründerzentren leisten weiterhin wertvolle Arbeit. Innovative Ideen gibt es auch (oder gerade) in diesen Zeiten reichlich. Gründer sollten die Chancen nutzen. Und wir sollten sie dabei nach Kräften unterstützen.

Ihr Heinz Bettmann

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