Nett Working – Kommunikation und mehr im Rheinland von Konrad Beikircher

Ach, liebe Freunde vom RheinZeiger, langsam bin ich es leid immer wieder betonen zu müssen,
dass es in der digitalen Welt nix gibt, was es im Rheinland nicht schon längst gegeben hätte.

Schon der Neandertaler hatte seinerzeit von seinen zwei Höhlen in Mettmann bis nach Erkrath-Unterbach ein raffiniertes Network, äh Netzwerk aus Altbiertheken und Golfplätzen gesponnen, um die Düsseldorfer nach Strich und Faden an Loch 18 abzuziehen, mehr muss ich wohl nicht sagen. Oder: PayPal – im Rheinland längst erfunden: Ich trink, der Wirt schreibt an und der Deckel ist die Quittung, Selfie stick heißt in Kölle Bilderstöckchen und online Banking bedeutet: Koks ist im Bankschließfach, um nur einige Beispiele zu nennen. Seit 30 Jahren dreht sich alles um Network, Networking etc. pp. Eine ganze englisch sprechende Welt ist darum herum entstanden und heute, wo alles digitalisiert ist, geht gar nichts mehr ohne Networking. Und es wird gefeiert als hätten wir damit unser Leben von Grund auf neu erfunden. Nee, nee: Alles alte Hüte. Schon die ersten Kölner haben erkannt, wie richtiges Networking funktioniert und das – man damit jeden so einspannen kann, dass er funktioniert – für uns. So wie es Dieter Hildebrandt mal gesagt hat: Du kannst die Hand nicht zur Faust ballen, wenn du die Finger überall drin hast. Und genau das ist eines der Ziele, dem
Networking dient: gegenläufige Kräfte zu binden und für sich zu gewinnen. Und da war der Rheinländer immer schon Meister. Er nennt es nur anders. Networking heißt hier klüngeln und das ist eines der ältesten Sozialhilfswerke der Welt, der Römer hat das so genannt: do ut des – ich gebe, damit du gibst und das hat er im Rheinland gelernt. Wobei schon sehr komisch ist, dass Klüngeln in Verruf geraten ist, aber Networking toll, edel, hochmotivig und vor allem was Neues sein soll. Da zeigt sich wieder mal, dass die alte Erkenntnis: aus nichts lernt der Mensch weniger als aus der Geschichte, absolut stimmt. Dabei gibt es zwei Zonen, die hier als die kreative Kernzone gelten können (wie beim Kochen Kanton, Böhmen und die Emilia-Romagna):
Die katholische Kirche un  das Rheinland. Die katholische Kirche ist da wahrscheinlich dem Rheinland noch
eine Stupsnasenlänge voraus: sie hat das Networking über das Leben hinaus erfunden, die Instrumentalisierung der Heiligen für uns noch Lebenden – eine gewaltige Erfindung. Gläubige an sich zu binden, indem man ihnen verspricht: Wenn du zu uns kommst kriegst du als Bonus nicht nur, dass du verfolgt wirst und dadurch die Gelegenheit hast, Märtyrer zu werden, um so auf direktem Weg zum Beispiel aus dem Ölkessel, in dem du gesotten wirst, in den Himmel zu kommen (ohne Wartezeit im Fegefeuer), sondern auch, falls du einfach nur so ein „Normal- Gläubiger“ wie du und ich bist, schon hier auf Erden vor Übergriffen der Natur oder des Schicksals geschützt wirst. Wie? Indem die Heiligen via vatikanisches Network zu Schutzpatronen werden, das ist mehr, als jede Versicherung leisten kann. Ein Beispiel: Du leidest an Inkontinenz. Unangenehm, wissen wir, extrem auffällig, weiß auch jeder, der mal zehn Minuten vor dem Serways-Kreuz stand, weil er es nicht passend hatte, und dabei beobachten kann, wie jeder zweite
ältere Herr im Affenzahn aufs Drehkreuz zuläuft, innehält, zur Hose schaut, weil die sich dunkelblau färbt
um dann in gebückter Haltung, damit der Mantel das Hosentürl verdeckt, an die Schalen schleicht. So ist es für den Ungläubigen. Wir aber, im normalen Glauben, haben da ganz andere Möglichkeiten. Wir müssen nicht zum Arzt laufen oder uns Prostagutt in die Gurgel schütten, nein: wir machen eine Inkontinenten-Wallfahrt z.B. nach Veitshöchheim, natürlich im wasserdichten Sonderzug, übernachten angemessen, z.B. im Hotel Incontinental, berühren die Reliquie vom Hl. Veit und schwupp! sind wir trocken! Da müssen alle anderen zum Urologen! Der Hl. Vitus ist übrigens ein Beispiel für ganz triviale Auswirkungen dieses transzendentalen Networking: er wird auch als Wecker angerufen. Da gibt es folgenden Spruch, den man
vor dem Einschlafen aufzusagen hat: „Heiliger St. Veit / wecke mich zur rechten Zeit; / nicht zu früh und nicht zu spät, / bis die Glocke … schlägt.“ Ich meine: das war gut 1000 Jahre vor Alexa oder Siri! Networking
über den Orbit hinaus, das hat heute noch keiner hinbekommen, bei uns Katholiken isses normal. Genau so ist rheinisches Networking, also Klüngeln, auch schon uralt und etabliert. Was meinen Sie denn, wie es gekommen ist, dass das Rheinland das Land mit der höchsten Reliquiendichte ist (RD misst die Anzahl der Reliquien pro Quadratkilometer!)? Weil die rheinischen Kreuzzügler ein fantastisches Netz aufgebaut haben, z.B. nach Jerusalem zu den damaligen Sarazenen, so nach dem Motto: Ihr seid in der Wüste und habt Durst, also: wir haben Kölsch, bringen euch das mit und ihr gebt uns dafür Reliquien.
So kamen die ganzen Heiligtümer nach Köln, Aachen und Trier: das Tischtuch vom letzten Abendmahl (in Mönchgengladbach), das Kleid und der Gürtel Mariens (in Aachen), der Heilige Rock (in Trier), die Heiligen Drei Könige (in Köln) und sogar, und das ist das Größte,das P äputium vom kleinen Jesus (da lass ich Sie jetzt Googeln, was das ist), das gleich viermal in Köln ist (heute aber leider nicht mehr gezeigt wird) und insgesamt in so um die 57 Kirchen weltweit (was muss der Knabe für ein meterlanges Präputium gehabt haben!). Meinen Sie, ohne Networking wär das Zeug hierhin gekommen? Also bitte!

Das übrigens, dass nämlich die rheinischen Kreuzfahrer damals mit Schäfers Reisen Siegburg für den Vatikan nach Jerusalem gepest sind, um die Heilige Stadt aus den Fängen der Sarazenen (quasi die IS der damaligen Zeit) zu befreien, führte zu der engen Verbindung (auch das ein raffiniert geknüpfter Netzwerk-Quipu) des Rheinlands mit dem Vatikan: ein Netzwerk das bis heute bestens funktioniert – zum Wohle beider Seiten. So ist Köln die reichste Erzdiözese der Christenheit und wir haben die Heiligen Drei Könige. Win-Win wohin du guckst. Toll.

Kurz: kein Rheinländer braucht sich von all diesen neuen Kommunikationstechnologien „de Plaat jeck maache losse“, wir hier waren schon modern, da hat es das Wort noch gar nicht gegeben. Und so soll es auch bleiben, liebe Gläubige, äh, liebe Networker. Nehmt Euch lieber ein Beispiel am Rheinland: erst wenn ihr das richtig digitalisiert haben werdet (was nie passieren wird), könnt ihr mitreden.
Tschöö dann!

Konrad Beikircher
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