Netzwerke & Kooperationen – eine Orientierungshilfe

BNI, XING, LinkedIN und der Karnevalsverein

„Eine Hand wäscht die andere“ – „Man kennt sich, man hilft sich“ – „Klüngel“, „Spezi“, „Amigo“ oder „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat!“ – Das sind nur einige wenig schmeichelhafte Formulierungen zur Beschreibung von Netzwerken und Kooperationen. Die jedoch, die aktiv „netzwerken“ und Kooperationen eingehen, haben meist eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Warum ist das so und für wen sind Netzwerke und Kooperationen wirklich sinnvoll und interessant?

Zunächst: JA, für die meisten Unternehmer und Unternehmen sind Netzwerke sehr sinnvoll und für viele sogar DER Baustein für nachhaltigen Unternehmenserfolg. ABER nicht jedes Netzwerk ist für jeden gleichermaßen geeignet und NEIN – Netzwerke sind keine Selbstläufer. Nachhaltig erfolgreiches Netzwerken erfordert aktive Mitarbeit und vor allem die richtige innere Einstellung.

Eines der wohl erfolgreichsten Business-Netzwerke der letzten Jahrzehnte ist das Franchise-System „BNI – Business Network International“ (www.BNI.de), gegründet 1985 in den USA und inzwischen in mehr als 50 Ländern aktiv. Einmal wöchentlich treffen sich 30-45 Unternehmer morgens von 06:30 Uhr bis 08:30 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Im Gegensatz zu vielen anderen Netzwerken und Vereinen muss man sich jedes Jahr neu um die Aufnahme bewerben und Umsatz in die Gruppe bringen. Nur Aufträge „abziehen“ aber keine einbringen gilt nicht. Das fördert die Qualität der Gemeinschaft ungemein und ist sicher auch für den großen Erfolg dieses Systems verantwortlich. Engagement im BNI ist für viele Branchen interessant.

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© J. Hoffmann

Interessenten können sich einfach als Gast auf der BNI-Homepage ihrer Stadt oder Region eintragen und werden dann zu einem unverbindlichen Frühstück eingeladen, um System und Mitglieder kennen zu lernen. Wichtiger Tipp aus der Praxis: Machen Sie von der Möglichkeit der „4-Augen-Gespräche“ regen Gebrauch und lernen Sie Ihre Chapter-Kollegen kennen. Eine bessere Basis für erfolgreiches Netzwerken können Sie kaum legen.

Business-Netzwerke gibt es natürlich auch online – die beiden bekanntesten sind XING (www.xing.de) und LinkedIn (www.linkedin.com). Beide haben sich fest im Markt etabliert und bieten unzählige Kontakte. Auch diese Netzwerke werden vielfach aktiv „bespielt“, um Umsatz zu generieren. Doch im Gegensatz zu BNI, bei dem es konkret darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam mehr Umsatz und Gewinn zu generieren, gibt es gerade bei XING (leider) viele Mitglieder, die Netzwerk mit Litfaßsäule verwechseln und nicht müde werden, ihre Angebote bunt in die Welt zu schreien. Böse Stimmen nennen gerade XING deshalb auch gerne das „Maggi-Kochstudio der Trainer- und Beraterszene“.

Dennoch ist eine kostenlose Mitgliedschaft jedem Erwerbstätigen zu empfehlen. Für die meisten ist gerade XING das Telefonbuch der Gegenwart – wer da nicht steht, den gibt´s nicht mehr… Will man allerdings erfolgreiches Marketing über diese Plattformen betreiben, ist eine vorherige und konkrete Zielbestimmung ebenso notwendig, wie die Bereitschaft, sich pro-aktiv einzubringen und täglich mindestens 15-30 Minuten Zeit in den Beziehungsaufbau zu investieren. Man beantwortet z.B. Mitgliederfragen aus dem eigenen Kompetenzbereich und beteiligt sich an Forendiskussionen. Auch für die gezielte Recherche potenzieller Interessenten bieten beide Plattformen mit ihren Such-Optionen attraktive Möglichkeiten.

Interessant ist XING & Co. vor allem für Führungskräfte, Selbstständige, Freiberufler und Fach-Spezialisten. XING richtet sich vor allem an nationale Netzwerker, LinkedIn ist ein internationales Netzwerk – wer Jobangebote aus dem Ausland erhalten will, sollte auch bei LinkedIn vertreten sein.

Karnevals- und Schützenverein, freiwillige Feuerwehr und Service-Clubs – die Königsdisziplin erfolgreicher Netzwerker. Vorweg – JA, diese Netzwerke können helfen beruflich voran zu kommen,  ABER sie funktionieren nur indirekt als Auftragsbeschleuniger. Vereine und Clubs verstehen sich als Plattform für gemeinsame Interessen und Freundschaft und nicht – wie etwa das BNI – als Business-Netzwerk.

Im Gegensatz zum „Push-Marketing“, wo wir Poster drucken, Akquise betreiben, oder im Fachmagazin inserieren, funktionieren Karnevalsverein & Co. genau umgekehrt. Erfolgreich sind in diesen Netzwerken nur diejenigen, denen es gelingt, ein „Sog-Marketing“ erzeugen. Dafür steht nicht die eigene Leistung im Rampenlicht, sondern die Bedürfnisse des Vereins und dessen Mitglieder.

Vereine und Clubs sind gleichwohl empfehlenswert. Untersuchungen belegen, dass die sozialen Beziehungen gerade dieser Interessensgemeinschaften uns mehr Lebensjahre schenken, als gute ärztliche Betreuung dies allein kann.

Kooperationsmarketing bietet sich grundsätzlich immer an, denn fast alle Unternehmen haben „natürliche“ Kooperationspartner. Es lohnt sich deshalb genau zu schauen, welche Kooperationsmöglichkeiten sich im eigenen Umfeld anbieten. Mit den richtigen Fragen lassen sich viele Win-Win-Beziehungen finden. Tipp: Konzentrieren Sie sich auf die wichtigste aller Fragen und finden Sie Antworten auf diese:

Welche konkreten Vorteile bietet die Kooperation Ihrem Partner? Unterstützt Ihr Angebot den Partner dabei, sympathischer, kompetenter oder kostengünstiger zu sein, als sein Wettbewerb?

Gut geplante Kooperationen bieten vielfältige Möglichkeiten für Gewinnmaximierung und Kosteneinsparung. Doch wie die meisten anderen Netzwerke sind auch Kooperationen nur dann dauerhaft und nachhaltig erfolgreich, wenn es gelingt, die Interessen und den Gewinn des Kooperationspartners in den Vordergrund zu stellen. Denn, Netzwerken bedeutet vor allem: „Wie Du mir, so ich Dir!“ und nicht umgekehrt!

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg beim Netzwerken und Kooperieren. In der nächsten Ausgabe kommen wir dann zum Storytelling – und Sie haben doch sicher eine Geschichte zu erzählen, oder?

Seite 26 J. Hoffmann

Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer www.lifescool.de

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