Radio- und Fernsehhauptstadt in Deutschland …

 

11 Argumente für den Standort Köln

… und Top-Adresse für die IT- und Telekommunikationsbranche, das ist Köln. Der Westdeutsche Rundfunk, die größte öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalt Kontinentaleuropas, hat hier seinen Sitz. RTL, der größte und erfolgreichste private europäische Fernsehsender, sendet ebenso aus Köln wie andere prominente TV- und Hörfunksender. Die Kunsthochschule für Medien und die Internationale Filmschule Köln stehen für optimale Nachwuchsförderung. Spitzentechnologie liefern z. B. Adobe, Arxes, Electronic Arts, Microsoft, MindTree, Pironet NDH, SQS, QSC, Unitymedia und Wipro.

Mit diesem Statement ist natürlich – und das zeigt dieser Leitsatz der Stadt Köln deutlichst – eines der Alleinstellungsmerkmale unserer beloveden Stadt angesprochen: Köln ist absolute Medien-Stadt. Wobei die Autoren zwar einige lokale Sender wie WDR oder RTL ansprechen, Sender, deren Reichweite am Zollstock aufhört, den wichtigsten Kölner Sender haben sie in diesem Leitsatz aber gar nicht angesprochen: Das Dom-Radio mit dem, wie der Sender stolz sagt, „guten Draht nach oben“.

Seite 10-11 Cartoon eins

Cartoon: Marcus Rulf

Seit 2000 ist „„domradio““ auf Sendung, der Meisner hat die Röhren und Antennen auf seine Gläubigen ausgerichtet und da wird bestrahlt, wat dat Fell hält. „domradio“ ist deshalb der wichtigste Sender Kölns, wat heißt Kölns, der ganzen Welt natürlich, weit mehr noch ‚als wies‘ Radio Vatikan oder gar der CIA-Sender Radio Free Europe/Radio Liberty, vormals München (na wo denn sonst, tz tz!), heute Prag, obwohl die ja quasi weltweit, wenn nicht sogar milchstrassenweit, senden und damit katholisches beziehungsweise US-demokratisches Gedankengut zu den Aliens tragen, „domradio“ also ist deshalb der wichtigste Sender Kölns, weil sich da der Dom, wat ja sowieso dat rheinische Allerheiligste ist, und die wundervolle genetisch verankerte Fähigkeit (und Lust) schwaade ze künne paaren. Wohlgemerkt: schwaade, was nicht gleichbedeutend mit schwatzen oder hirnlos daherlabern ist. Schwaade ist die hohe Kunst des munteren Plauderns (und darf nicht verwechselt werden mit schwaade = ich warte, das würde nämlich schwaaden heißen, weil der Infinitiv fast immer ohne n ist, das Auslaut-N braucht nämlich keiner, wer bis zum n nicht begriffen hat, um welches Wort es sich handelt, dem wird das n jetzt auch nicht mehr in den Sattel helfen), das in sinnfreien Spiralen in die Luft kräuselt wie weiland der blaue Dunst in der Zigarettenwerbung, die es ja so heute nicht mehr gibt (Halt! Mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB…wat wor dat schön!). So sind sie denn nun endlich eine Gemeinschaft eingegangen: der Dom und dat kölsche Jemöt.

Der Dom, nicht der Meisner, denn der hat zu wenig Kontaktflächen zur kölschen Seele und wird sie wohl auch nicht mehr kriegen. Wenn du aber mal „domradio“ einschaltest bist du zack! mittendrin in der Welt der herrlichen Nachrichten, die der Kölner so liebt: nett, heiter und doch ein bißchen informativ, so nach dem Motto: „Och, dat es jo e Dingen!“ und alles ist schön. So gings mir auch: in Siegburg haben wir ja den Michaelsberg, auf dem seit 1064 die Benediktiner ihr Gutes taten, zum Wohle Siegburgs, zum Segen der Region und manchmal zum Ärger der Kölschen, wenn ich mal an Anno II, Erzbischof von Köln erinnern darf (er hatte 1064 das Kloster auf dem Michaelsberg gegründet, später mit den Kölnern gestritten, sich im Dom vor dem Volkszorn versteckt und ist durch das sog. „Annoloch“ geflohen, hat sich aber nach der Rückeroberung der Stadt an den Kölnern furchtbar gerächt: zig Leute hat er blenden lassen, 6oo Kaufleute sind vor seiner Rache geflohen, auf den Strassen, so ein damaliger Augenzeuge, seien keine Menschen mehr gewesen, Sie sehen: ein Drecksack allererster Güte, aber heiliggesprochen wurde er dennoch). 2011 gab’s in Siegburg keinen Nachwuchs mehr (auch witzig: dass Mönche Nachwuchssorgen haben können), der Laden musste geschlossen werden.

Jetzt jing et natürlich los: was wird wohl aus dem Kloster werden? Für e Püffje zu groß, für en Kasern zu klein, kurz: man war besorgt. Da schalte ich das „domradio“ ein und werde wie auf Knopfdruck geholfen (um mal die wunderbare Ex-Medienikone Verona Dingenskirchen zu zitieren): der Michaelsberg bleibt Kloster, nur werden nicht mehr Benediktiner da sein sondern Mönche vom Orden der unbeschuhten Karmeliter. Das ist ja mal eine tolle Nachricht: das Kloster bleibt! Unbeschuhte Karmeliter! Ist das nicht der Hammer?! Es werden allerdings nicht besonders viele Mönche kommen und sie haben auch Schuhe an den Füßen, heute nimmt man das nicht mehr so ernst mit den Gelübden, aber: es sind immerhin sechs Mönche und sie kommen quasi aus dem Rechtsrheinischen: aus Manjummel in der Provinz Kerala in Südwest-Indien. Ab 12. September werden sie da sein, der Meisner liest die Willkommens-Messe und wird dann mit unseren indischen Freunden von der Servatiuskirche unten im Städtchen hochziehen, zu Fuß natürlich, zum Michaelsberg und ganz Siegburg fragt sich: barfuß oder met blecke Fööß? Wo sich wieder mal schön zeigt, woher Redensarten kommen: die unbeschuhten Karmeliter sind Mönche und arm, also lag es nahe, über jemanden, der arm ist, zu sagen: dä hät nix an de Fööß, wegen unbeschuht eben. Aber wo Sie grad sagen: nix an de Fööß! Erinnern Sie sich an den Januar 2008? Das war für viele Kölner ein Panik-Monat par excellence. Da kam die Steuersünder CD aus Lichtenstein nach NRW und die Landesregierung hatte nix besseres zu tun, als sie zu kaufen. Wobei sie fundamentale rheinische Gesetze mit Füßen trat, denn: Lichtenstein ist rechtsrheinisch! Das muss man sich mal vorstellen, rechtsrheinisch! Von denen kann man doch nix kaufen und schon gar nicht so was sensibles wie eine Steuerhinterziehungs-CD! Lichtenstein, ph! Hätte der Zumwinkel damals gewusst, dass Lichtenstein rechtsrheinisch ist, hätte er das Geld auch direkt nach Porz bringen können, oder?! Hätte er sich gut 8oo km schon mal gespart. Da war, weil auf dieser CD überwiegend rheinische bzw. kölsche Hinterziehungsaktivisten drauf waren, in Köln erstmal Panik angesagt: Steh ich auf der CD? Steh ich nicht auf der CD? Es gab im Januar überhaupt kein anderes Gespräch mehr als dieses. Bei den Prunksitzzungen blieben immer mehr Plätze in den vordersten Reihen frei, weil von den Promis, die – umsonst übrigens – dort sitzen, immer mehr sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen wollten, wegen der CD. Schnell aber drehte sich das ganze Spiel um: schon gegen Ende Januar war nicht mehr die Frage im Vordergrund „Steh‘ ich auf der CD?“ sondern plötzlich hieß es typisch kölsch: „Wie: Ihr steht nicht auf der CD? Habt Ihr nix an de Fööß?“ und Ende.

Damit war der Schrecken gebannt und alles war wieder im Lot. Es hat sogar einen gegeben, der ‚vorübergehend‘ seinen Wohnsitz für ein paar Wochen von Köln nach Bochum verlegt hatte, weil er mal eine U-Haft-Zelle ausprobieren wollte, so als Art moderner weltlicher Exerzitien ohne Kloster. Dort wurde er nun von seinem Kölner Anwalt, Fachmann für Steuerfahndung, besucht. Man tauscht Informationen aus so à la:

„Wissen Sie denn überhaupt, wo Lichtenstein liegt?“

„Nöö“

„Super, dann habe ich ja schon mal ein gutes Argument, nämlich: Hohes Gericht, wie soll denn einer Schwarzgeld nach Lichtenstein bringen, wenn er noch netens weiß, wo Lichtenstein überhaupts is?“ Dann erhebt sich der Anwalt, beruhigt den Mandanten und will schon gehen, da sagt der zu ihm: „Sarens, Herr Doktor, dat Honorar… Kann ich dat so bezahlen?“ und macht dabei mit der Hand so Kreisbewegungen, von denen jeder weiß, was sie bedeuten. Es dat nit schön? Äh, worum jing et denn eijentlich? Ah so, Radio- und Medienstadt Köln, ja sicher! Sag ich doch! Dom-Radio, oder?!! WUNDERbar! So was gibt es eben nur bei uns.

 

Impressum

Titelblatt Tyler Olson, fotolia.com

Cartoons Marcus Rulf; Svetlana Kilian

Fotos Verlag Junfermann; Jan Künster; NUK e. V.; Oliver Schulze; Konrad Beikircher; RTZ Köln GmbH; Sabine Voigt, fotolia.com; Trueffelpix, fotolia.com; Torbz, fotolia.com; mopsgrafik, fotolia.com; Katharina Wieland Müller, pixelio.de; BioCampus Cologne; André van Hall; BioRiver e. V.; Dr. Sebastian Bühren; BIO.NRW; André van Hall; Nicole Wahl; Charlotte Schreiber; Ann Kristin Barth, Sonja Wittig; German Silicon Valley Accelerator; Nicolas Chibac; Frank Bobe; Markus Wolff; Enric Mammen

Grafiken Heinz Bettmann, RTZ Köln GmbH

 

 

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