Startups, Corona und der Schirm

Hilfsmaßnahmen nicht für alle Startups ausreichend?

Die Corona Pandemie ist für die deutsche Wirtschaft mehr als eine große Herausforderung. Und sie trifft insbesondere auch die deutsche Gründerszene und junge Unternehmen. Um diese vor den Folgen der Corona-Krise zu schützen haben das Bundeswirtschafts- und das Bundesfinanzministerium Ende März 2020 einen Rettungsschirm mit einem Volumen von 2 Mrd. Euro vorgestellt.

Danach können alle Startups, die infolge Corona eine weitere Finanzierung benötigen, den Rettungsschirm ab dem 1. April 2020 bis zum Jahresende in Anspruch nehmen. Es gibt zwei unterschiedliche Säulen: für Startups mit Venture Capital und für Startups ohne Venture Capital. Letztere sollen über die Länder Zugang zur Säule 2 bekommen. Die Umsetzung obliegt den einzelnen Bundesländern. So ist es der Pressemitteilung zu entnehmen, die der Bundesverband der Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ) am 20. Juli 2020 publizierte. Hintergrund war die Tatsache, dass in der so genannten Säule 2 jene Startups leer ausgehen sollen, die ihre Gründung aus eigener Kraft zu meistern versuchen. Als Bedingung für eine Unterstützung sollte ebenfalls eine Kapitalbeteiligung Dritter wie Business Angels nachgewiesen werden. Entgegen der landläufigen Meinung vom komfortablen Biotop für Startups und dem nicht nachvollziehbaren Ruf der Gründer nach dem Staat, stellten die deutschen Technologie- und Gründerzentren und ihr Dachverband BVIZ jedoch fest, dass es für den Großteil der Gründerszene bis dahin noch keine passenden Hilfen gab. Meist halten diese Gründer sich aus eigenen Mitteln gerade so über Wasser. Nun sind alle Startups bewundernswert, die sich mit ihren kreativen und, ja, innovativen Geschäftsmodellen aus eigener Kraft durchs Leben schlagen und dabei auch erfolgreich sind. Wenn in solchen Corona-Zeiten aus der Politik gehört wird, dass man gerne Startups unterstützt, aber eben nur solche die gut sind, und gut dann definiert als „finanziert mit Eigenkapital von VCs und Business Angeln“, dann ist das zu bedauern. Da sind die Aktionen lobenswert, die beispielsweise von der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs- GmbH ins Leben gerufen wurden. Auch die Initiative von AllVentures ist ein gutes Beispiel; sie fordern für die Startups ein 3-Monate-Lohnsummen-Darlehen. Wie auch immer: Die Startups sind junge, kleine Unternehmen, die sich Aufträge am Markt sichern.

Die Gruppe der ganz jungen Gründer darf bei diesen Rettungsmaßnahmen nicht unberücksichtigt bleiben. Auch Teams, die vielleicht gerade einen Businessplan-Wettbewerb gewonnen haben, werden sich unter solchen Bedingungen kaum für eine Gründung entscheiden und sich stattdessen einen „sicheren“ Job suchen. Wir brauchen diese jungen Unternehmen aber, denn die Startups von heute sind bekanntlich der Mittelstand von morgen … Und by the way: Ein Voranbringen von Innovationen unter dem Label „Made in Germany“ ist für dieses Land auch nicht von Nachteil.

Drucken Drucken