Technologievielfalt für Köln

BioCampus Cologne

Das britische Unternehmen Hawk-Eye Innovations nutzt die sogenannte tracking-Technologie für Lösungen in verschiedenen Anwendungsfeldern. Prominentestes Beispiel ist sicher der Einsatz als Torlinien-Kontrolle im Sport, u.a. in der Fußball-Bundesliga. Hawk-Eye hat nun seine Deutschland-Zentrale auf dem BioCampus Cologne eingerichtet und will damit das facettenreiche Umfeld nutzen. Der Technologiepark im Kölner Nordwesten hat sich Interdisziplinarität und Unternehmensvielfalt auf die Fahnen geschrieben und trägt dadurch als innovativer Technologiestandort zur Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Köln bei.

Der 2002 als Biotechnologiepark gegründete BioCampus Cologne (BCC) beherbergt aktuell 29 Technologie-Unternehmen. Über 1.000 Beschäftigte arbeiten auf dem insgesamt 25 Hektar großen Areal. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Ansiedlung von Unternehmen mit einem technologie- und wissensbasierten Geschäftsmodell. Dabei versteht sich der BCC nicht nur als Anbieter von moderner und maßgeschneiderter Infrastruktur, sondern insbesondere auch als Mittler für interdisziplinären Austausch. Auf über 30.000 m2 Mietfläche werden variable Nutzungskonzepte für alle Akteure innovativer Technologiefelder in unterschiedlichen Gebäuden angeboten. Hierbei reicht das Raumangebot von modernen Büros über Werkstatt- und Hallenflächen bis hin zu hochtechnologischen Laboren und Reinräumen. Für das langfristige und nachhaltige Wachstum der Unternehmen stehen über 3 Hektar freie Flächen für die Errichtung von Neubauten zur Verfügung.

Innovationssprünge in der Hochtechnologie Neben dem bereits etablierten Fokus Biotech und Pharma werden auch verstärkt innovative Unternehmen aus dem Chemie-, IKT-, Engineering- und Medizintechnik-Sektor auf dem BCC angesiedelt. So wird ein ideales Umfeld für interdisziplinäre Zusammenarbeit geschaffen. Innovative Wertschöpfung wird durch ein Zusammenspiel von Experten verschiedener wissensbasierter Disziplinen gefördert. Es ist abzusehen, dass die Verzahnung von Technologiefeldern aufgrund der steigenden Komplexität zukünftig an Relevanz gewinnen wird.

So führt beispielsweise die Abstimmung von Disziplinen wie Pharmazie, Biologie und Chemie, unterstützt durch zukunftsfähige Lösungen zur Digitalisierung und das Knowhow von hervorragenden Ingenieuren, bei Produkt und Prozessentwicklungen zu Innovationssprüngen. Hilfreich ist es dabei, die jeweils andere Perspektive oder alternative Herangehensweise kennenzulernen, um so zu neuen Ansätzen und Lösungen zu finden“, betont Andre van Hall, Prokurist & Mitglied der Geschäftsleitung des BCC die Bedeutung des interdisziplinären Austauschs. Die Gefahr eines fachspezifischen Tunnelblicks könne so vermieden werden.

Vielfalt & Interaktion durch Nutzerdiversität Neben der Etablierung von Technologievielfalt ist die Ansiedlung unterschiedlicher Unternehmenstypen zentraler Bestandteil des BCC-Konzepts. So kann sich ein Ökosystem entwickeln, in dem Start-ups, mittelständische und große Unternehmen interagieren können. Dies schafft die Basis für ein dynamisches Umfeld und nachhaltigen Erfolg. Die Abbildung zeigt das so entstehende Ökosystem mit zahlreichen Kooperationsmöglichkeiten. Speziell Start-ups und junge Unternehmen bilden mit ihrem hohen Wachstumspotential und ihrer enormen Innovationskraft eine bedeutende Zielgruppe für den BCC. Durch das vielfältige Flächenangebot können auch spätere Phasen der Unternehmensentwicklung vor Ort begleitet werden „Aufgrund der vorhandenen Expansionsflächen und der damit verbundenen Option auch für Erweiterungs- und Neubauten können wir jede Entwicklungsstufe der Unternehmen adäquat unterstützen“, beschreibt van Hall das auf die langfristige Bindung der Nutzer ausgelegte Konzept.

Unternehmen auf dem BioCampus Die jüngsten Ansiedlungen sind anschaulicher Beleg für die inhaltliche Öffnung des BCC. Die Rimasys GmbH (www.rimasys.de) ist ein Unternehmen aus dem Bereic Medizintechnik und beschäftigt sich mit der Verbesserung der Chirurgenausbildung. Hierbei werden die bisher vornehmlich verwendeten Kunststoffknochen durch Humanpräparate ersetzt. Mittels innovativer Ingenieurtechnik werden realitätsnah Knochenbrüche herbeigeführt. Dadurch wird die Vorbereitung von Chirurgen für den Ernstfall erheblich verbessert. Das interdisziplinäre Team von Rimasys besteht zum Großteil aus Absolventen von Kölner Hochschulen, für die somit ein Verbleib am Standort Köln gesichert wird. Ein weiteres Beispiel ist das Feinchemie-Unternehmen Helio Beit Pigmentpasten GmbH (www.heliobeit.de), eine Ausgründung aus dem Kölner Familienunternehmen Bollig & Kemper. Helio Beit entwickelt Pigmentpasten, die bei vielen Industrielackherstellern bereits seit Jahren als Tönsysteme bzw. Komponenten in automatischen Dosieranlagen erfolgreich genutzt werden. Einsatzgebiete sind unter anderem Industrielacke, wie Möbel-, Maschinen-, Sprühdosen-, Kfz-Reparatur-, Fahrrad-, Motorrad-, Landmaschinenlacke sowie Kunststoff- und Foliendrucklacke. Auch hier ist die Erschließung von neuen Anwendungsfeldern für diese innovative Technologie ein Grund gewesen, sich auf dem BCC anzusiedeln. Zurück zur Torlinien-Technologie: Hawk-Eye Innovations (www.hawkeyeinnovations.com) hat sich die zeitnahe Ausweitung des Trackingsystems auf industrielle Bereiche zum Ziel gesetzt.

Da das System auf Objekttracking spezialisiert ist, kann grundsätzlich jedes Objekt eines Produktions- oder Automatisierungsprozesses „getrackt“ werden, um beispielsweise Informationen über die Passform dieser zu erreichen und so eine automatische und vor allem verlässliche Qualitätskontroll  zu gewährleisten. „Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Hawk-Eye-Technologie passen hervorragend zum Konzept des BCC So sind auch Anwendungen in der Gesundheitswirtschaft oder Chemie denkbar,“ freut sich Andre van Hall über den britischen Neuzugang. Neben Start-ups und mittelständischen Unternehmen ist die Ansiedlung von Konzernen bzw. deren Tochterunternehmen essentieller Bestandteil des BCC-Konzepts. Heute sind mit Bayer, Sanofi, dem Life-Sciences-Unternehmen Lonza und dem finnischen Wasseranalytik-Spezialisten Kemira bereits Global Player in Hightech-Branchen auf dem Gelände vertreten. Oft erfolgt die Etablierung dieser Konzerne durch die Übernahme von innovativen Unternehmen auf dem BCC. So übernahm Bayer 2008 einen Teil von Direvo für 210 Millionen Euro. Im gleichen Jahr erfolgte der Verkauf des Kölner Start-ups Amaxa an Lonza für einen ebenfalls dreistelligen Millionenbetrag. Jüngstes Beispiel für den erfolgreichen Verkauf und damit für die Option, ein Großunternehmen für den Standort zu gewinnen, ist die Akquisition der Sividon Diagnostics durch den US-amerikanischen Diagnostik-Spezialisten Myriad im Mai 2016.

Vielsprechende Zukunft Gemeinsam mit der Technologie- und Unternehmensvielfalt bieten die Expansionsmöglichkeiten auf dem BCC ein einzigartiges Potential zur Schaffung eines herausragenden Ortes für Innovation und Technologie mitten im Ballungsraum Rhein-Ruhr. Langfristig wird der Bocklemünder Technologiepark einen signifikanten Beitrag zur Entwicklung des Innovationsstandortes Köln und der gesamten Region leisten.

Drucken Drucken