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Themen
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Odysseum - Was kostet die Welt?
Der „Ökologische Fußabdruck“ im Odysseum Köln
Das Odysseum in Köln widmet sich als interaktiver Abenteuer-Wissenspark der Vermittlung von Wissen über das Funktionieren und die naturwissenschaftlichen Gesetze dieser Welt. Im Rahmen von Sonderveranstaltungen werden spezielle Themen, wie etwa der „Ökologische Fußabdruck“, behandelt. Heinz Bettmann sprach mit dem Geschäftsführer der SK-Stiftung CSC – Cologne Science Center, die das Odysseum betreibt, Dr. Armin Frey, über den Ökologischen Fußabdruck und das Erhalten der Welt, in der der wir leben.

Bettmann: Herr Frey, Sie beschäftigen sich im Odysseum Köln 2011 neben anderen Themen auch mit dem „Ökologischen Fußabdruck“. Was ist das?
Frey: Um Nahrungsmittel anbauen und Produkte oder Dienstleistungen wie zum Beispiel Mobilität herstellen zu können, benötigen wir Anbaufläche, verbrauchen Ressourcen und belasten die Umwelt, zum Beispiel mit Abgasen wie CO2. Diese Aktivitäten und Verbräuche lassen sich in einen Bedarf an Fläche, in „globale Hektar“ umrechnen, die jeder einzelne Mensch, jede Stadt, jedes Unternehmen, jedes Land und der gesamte Globus für seine
„Lebensweise“ benötigt. Der Flächenbedarf wird dabei als „Ökologischer Fußabdruck“ bezeichnet. Er stellt ein Berechnungsmodell dar, das sich mit einem Kontoauszug, der Guthaben/Kapital und Zinsen ausweist, vergleichen lässt.
Haben wir genügend Fläche oder leben wir auf zu großem Fuß?
Wenn im Wald zum Beispiel mehr Holz verbraucht wird als nachwächst, dann spricht man von „Overshoot“. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der weltweite Ökologische Fußabdruck größer als die weltweite Biokapazität. Die Zinsen, welche uns die Biokapazität liefert, waren in Deutschland im vergangenen
Jahr am 21. August aufgebraucht. Ab diesem Datum leben wir in Deutschland von den Ressourcen. Die Biokapazität nimmt daher immer weiter ab.
Worin besteht die größte Herausforderung?
Der Faktor Zeit ist ein sehr kritischer Faktor. Je stärker die Biokapazität reduziert wird, desto schwieriger wird es, einen Übergang in eine nachhaltige Lebensweise zu schaffen. Ich gehe daher davon aus, dass der Zeitfaktor auf der Rio+20-Konferenz im kommenden Jahr eine zentrale Rolle einnehmen wird.
Was bedeutet der Ökologische Fußabdruck für den einzelnen Menschen?
Auf der individuellen Ebene werden in erster Linie vier Bereiche betrachtet, die für die Berechnung des individuellen Ökologischen Fußabdruckes ausschlaggebend sind. Dies sind die Bereiche a) Wohnen, b) Mobilität, c) Ernährung und d) Konsum. Den sogenannten „change agents“ (salopp gesprochen „Trendsettern“, die mit gutem Beispiel voran gehen) kommt hier eine hohe Bedeutung zu. Allerdings können Dinge wie die Verkehrsinfrastruktur oder die Wege, die für Einkäufe zurückzulegen sind, von Individuen über weite Strecken nicht oder nur begrenzt beeinflusst werden. Sie sind vielmehr stadtseitig gegeben. Die Wissenschaft spricht hier vom sogenannten „Sockelwert“.
Was heißt das für die Stadt Köln?
Im Rahmen von Stadtentwicklungs- und regionalen Ausbauprojekten ist eine effizientere Infrastruktur vor allem in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Energiebereitstellung von Relevanz. Wenn der Ökologische Fußabdruck
bei politischen Entscheidungen, also zum Beispiel in Masterplänen und städtebaulichen Überlegungen, ein Entscheidungskriterium darstellt, erhöht sich die Zukunftsfähigkeit von Städten und damit auch von Köln. Es lohnt sich daher für Städte, sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen.
Spielt das Thema auch eine Rolle in Unternehmen?
Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Reduktion
ihres Ökologischen Fußabdrucks ihre Wettbewerbsfähigkeit
steigert, da sie sich dadurch Kosten- und Wettbewerbsvorteile
erarbeiten. Sinkt der Ressourceneinsatz,
sinken
die Kosten. Sinkt die Emission an Treibhausgasen,
sind
weniger Emissionszertifikate erforderlich. Gleichzeitig
werden eine ökologisch und sozialverträgliche Produktionsweise
immer mehr zu einem kaufent- scheidenden
Faktor.
Ich kenne Unternehmen, die rund um den Globus viel
Personal einstellen, um ihre Kunden zu beraten,
das Produkt
mit dem für ihre Bedürfnisse niedrigsten Ökologischen
Fußabdruck zu finden. Die Bedeutung dieses Themas
dürfte mittlerweile so hoch sein, dass ich prognostiziere,
dass Unternehmen, die das Thema in naher Zukunft nicht
berücksichtigen und ihr unternehmerisches Handeln entsprechend
ausrichten, in den meisten Branchen langfristig
nicht überleben werden.
Wie behandeln Sie das Thema ökologischer Fußabdruck
im Odysseum?
Von April bis September 2011 behandeln wir dieses Thema
als Schwerpunkt. Die Überschrift lautet etwas provokant
formuliert: „Was kostet die Welt? Von großen und kleinen
Fußabdrücken“. Neben einer Sonderausstellung wird es
eine Verlinkung zur Dauerausstellung, verschiedene Workshops
und Events geben. Im Juni planen wir eine Veranstaltung
mit dem Begründer des Ökologischen Fußabdrucks,
Mathis Wackernagel, vom Global Footprint
Network. Für Kinder führen wir im April eine Baumpflanzaktion
mit der Nichtregierungsorganisation „Plant for the
Planet“ durch. So soll ein „Odysseum-Wald“ entstehen.
Hierfür suchen wir noch Sponsoren, die für jeden Besucher
einen Baum spenden. |