Was macht Teams erfolgreich?

Das Geheimnis erfolgreicher internationaler Projektteams

Ein Merkmal erfolgreicher Teams ist, dass sie ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision haben. Doch wie kommen Teams zu dieser Vision? Gerade in Projekten – und für internationale gilt dies noch in besonderem Maße – kommt der Kick-Off-Veranstaltung eine besondere Bedeutung zu.

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Herausforderungen in internationalen Projekten

Hier kommen die Teammitglieder zusammen, um mit der Zusammenarbeit in diesem besonderen Projekt zu beginnen. Meist geht es in den Kick-Off-Meetings darum, das gemeinsame Projekt zu erörtern. Doch reicht es aus, die gemeinsame Aufgabe zu besprechen? Haben dadurch am Ende der Kick-Off-Veranstaltung alle eine gemeinsame Projektvision?

Hier ein Beispiel aus einem internationalen Projekt, wie ein Projektstart misslingen kann:

Ein internationaler Konzern kauft zwei Unternehmen in einer Konsumgütersparte kurz hintereinander, eines in Frankreich, eines in Deutschland. Die Konzernleitung beauftragt die Geschäftsführer, ein Konzept auszuarbeiten, wer künftig wie in welchem Markt agieren soll. Diese Gespräche finden auf Englisch statt, es ist die gemeinsame Projektsprache. Am Ende des ersten Meetings wird vereinbart, dass beide Teams für das nächste Meeting ein Konzept vorbereiten. Zu diesem Termin erscheinen die Deutschen mit einem fertig ausgearbeiteten 20-seitigen Konzept, die Franzosen haben nichts, was sie als Handout verteilen können. Während die Deutschen sich über die vermeintliche laissez-faire Einstellung der Franzosen entrüsten und ihnen vorwerfen, sich nicht vorbereitet zu haben, fühlen sich die Franzosen von den Deutschen überrumpelt. Sie haben das Gefühl, dass die deutschen Kollegen sowieso schon alles ausgearbeitet haben und für sie kein Spielraum mehr bleibt. Ihre Vorstellungen von einem „Konzept“ bestehen darin, sich Gedanken zu machen und möglichst offen mit vielen Vorschlägen in die nächste Teamsitzung zu gehen. Die Teamsitzung endet mit einem Eklat.

In diesem Beispiel hätte die Erarbeitung einer gemeinsamen Projektvision gleich zu Beginn Ärger erspart. Diese Projektvision hätte zum Beispiel darin bestehen können, als Konzern gemeinsam am Markt eine optimale Wettbewerbsposition zu erreichen. Wenn die Konzernleitung bei wichtigen Meetings am Projektanfang dabei ist, kann sie ihre Position und ihr Projektziel klar darstellen.

Auch Mitglieder derselben Nationalität in Projektteams haben unterschiedliche Vorstellungen. In internationalen Teams kommen als zusätzliche Herausforderung noch sehr verschiedene Arbeits- und Ver­haltensweisen hinzu, die ihren Ursprung in unterschiedlichen kulturellen Prägungen haben. Im obigen Beispiel geht es um zwei europäische Teams, bei denen die Zusammenarbeit scheiterte. Wie mag es in Teams aussehen, deren Mitglieder aus vielen unterschiedlichen Kulturkreisen kommen? Was sind die besonderen Herausforderungen, denen sich ein internationales Projektteam gegenübersieht?

Um diese Herausforderungen zu meistern und so in das Projekt zu integrieren, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen wird, benötigen internationale Projektteams Unterstützung. So z. B. bei der Entwicklung einer gemeinsamen Vision. Ist diese Vision entwickelt und wissen alle, in welche Richtung sie arbeiten sollen, geht vieles schneller. Die Teammitglieder sollten die Möglichkeit haben, zu einer guten schlagkräftigen Mannschaft zu werden. Ähnlich wie im Sport oder bei einem Orchester benötigt auch ein Projektteam Zeit und Raum, sich auf ei­nander einzuspielen, um die Herausforderungen gemeinsam und zielorientiert zu meistern. Das hat dann zur Folge, dass es weniger Verzögerungen in Projekten gibt und die Projektziele in time, in budget und in scope erreicht werden.

Die genaue Zielformulierung ist ebenso wichtig, z. B. anhand der Frage: „Was soll am Ende des Projektes anders sein als vorher?“. Zusammen mit dem Auftraggeber muss das Ziel am Anfang so klar formuliert werden, dass am Projektende gut überprüft werden kann, ob es erreicht wurde. In einer gemeinsamen Kick-Off-Veranstaltung mit dem Team sollte dieses weiter konkretisiert werden. Unterschiede, die in dieser Phase zutage treten sollten so bearbeitet werden, dass diese als Bereicherung empfunden werden. In vielen Teams kommt es schnell zu einer Verurteilung von unbekannten Verhaltensweisen. Besser sollten diese wahrgenommen anstatt be- oder verurteilen werden. Auch Fragen der Hierarchie und Machtdistanz spielen in Projektteams eine große Rolle. Wie ist die Position des einzelnen Teammitglieds in seinem Herkunftsland? Welche Aufgaben hat diese Person an seinem eigentlichen Arbeitsplatz? Kann es hier zu Interessenkollisionen kommen? Grundsätzliche Überlegungen und Modelle können hier Unter­stützung liefern, z. B.

  • Leitdimensionen kultureller Unterschiede
  • Rollen in Teams
  • Unterschiedliche Kommunikationsstile

In nachfolgenden Grafiken wird deutlich, wie Kommunikation abläuft und welch unterschiedliches Verständnis es schon von einzelnen Wörtern gibt.

 

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Wie groß sind erst die Unterschiede, wenn es um komplexe Projektaufträge geht! Diese Un­terschiede zu thematisieren und die Gemeinsamkeiten – siehe Schnittmenge – herauszuarbeiten ist von besonderer Bedeutung. Haben alle dasselbe Verständnis der Projektvision, kann das Team zielgerichtet arbeiten und das Projekt zügig realisieren.

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Das führt zu mehreren positiven Aspekten:

  • Der Auftraggeber ist zufrieden, sein Ziel wurde erreicht unter Einhaltung des vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmens.
  • Die Teammitglieder haben ein Erfolgserlebnis und arbeiten gern an weiteren Projekten mit und setzen sich für die Umsetzung der Projektergebnisse an ihrer Position ein.
  • Die Projektleiterinnen und Projektleiter haben sich in einer anspruchsvollen Aufgabe bewiesen und damit ihre Führungs- und Managementkompetenz unter Beweis gestellt und sind so bereit für die nächste Karriereherausforderung.

 

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Annette Dernick, Dipl.-Kfm., Supervisorin DGSv Hauptstraße 125, 50321 Brühl Fon: +49 2232 157601, mobil: +49 172 8737094 info@dernick.eu, www.dernick.e

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Teamcoaching bietet Teams zu jeder Zeit Unterstützung an. Bei fortgeschrittenen Projekten bietet Teamcoaching die Möglichkeit, Unstimmigkeiten auszuräumen und alle auf den weiteren gemeinsamen Weg zu bringen. Das kann sowohl während der Teamsitzung im Unternehmen erfolgen, als auch bei einer Auszeit wie einem Teamtag oder -event. Wichtig ist immer, dass diese Maßnahmen zum Projekt, zum Unternehmen bzw. der Organisation und den Projektbeteiligten passen. Maßgeschneiderte Lösungen sorgen hier für nachhaltigen Erfolg.

Frau Annette Dernick besitzt langjährige Erfahrung im internationalen Umfeld. Nach ihrem Studium der BWL und Sprachen war sie einige Jahre Leiterin Marketing/Vertriebscontrolling in der Investitionsgüterindustrie bevor sie sich selbständig machte. Seit 2003 coacht und supervidiert sie Führungskräfte und Teams in unterschiedlichen Unternehmen und Einrichtungen. Ihr Motto: Ziele erreichen im Beruf!

 © Grafiken zu diesem Artikel von Simone Fass

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