Wenn es mal kracht: Kommunikationsstrukturen für ein geregeltes Miteinander

Scheinbar verfahrene Situationen sind kein Einzelfall. Deutlich unterschiedliche Meinungen oder gegensätzliche Auffassungen kommen auch im Berufsleben relativ häufig vor. Wie aber löst man professionell und konstruktiv die durchaus resultierenden Konflike und Krisen?

Es ist schon einige Monate her, dass mir ein junger Mann bei einer Veranstaltung begeistert von seiner neuen, hoch interessanten Entwicklung erzählte. Seine faszinierende Neuentwicklung hatte er bereits technisch im Labormaßstab umgesetzt und es fiel ihm leicht, mich und andere Teilnehmende der Veranstaltung für seine geniale, innovative Idee einzunehmen. Mit leuchtenden Augen überzeugte er uns in einem lebhaften Vortrag rasch von den vielen Vorteilen seines Produktes gegenüber anderen aktuell auf dem Markt verfügbaren Geräte  Ich fragte ihn, ob er schon konkrete Pläne für die Umsetzung habe, ob er ein Unternehmen gründen wolle oder es schon gegründet habe.

Plötzlich kippte seine Stimmung. Er habe bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit einem früheren Freund ein Unternehmen gegründet, so erfuhren wir. Anfangs sei alles prima gelaufen. Er selbst hatte eine Entwicklung gemacht, die rasch in die Produktion überführt werden konnte. Sein Freund habe sich um den kaufmännischen Part, also um Finanzen, Marketing, Geschäftsführung und alle administrativen Bereiche gekümmert, die neben der technischen Entwicklung   nötig seien. Damit kenne er selbst sich nicht aus, so schien ihm der kaufmännisch begabte Freund  als perfekte Ergänzung. Die Zusammenarbeit der beiden Freunde lief auch sehr gut bis er die Idee für seine neue Entwicklung hatte. Seitdem knirsche es an allen Ecken. Sein Geschäftspartner wolle am alten Produkt festhalten, es durch regelmäßige Änderungen immer wieder updaten und weiter vermarkten. Er jedoch wolle als technischer Entwickler seine neue Idee zur Produktreife führen, einen echten Entwicklungssprung machen und somit die technische Marktführerschaft erreichen.

Unverhohlen klagte der junge Mann mir sein Leid über die konträren Positionen der beiden Geschäftsinhaber und ihre gegensätzlichen Auffassungen von einer erfolgreichen Führung des Unternehmens. Schnell wurde klar, dass es kaum noch Gemeinsamkeiten gab. Das größte Problem der beiden schien zu sein, dass sie kaum noch miteinander reden konnten, ohne in Streit zu geraten.

Solche scheinbar verfahrenen Situationen sind kein Einzelfall. Deutlich unterschiedliche Meinungen oder gegensätzliche Auffassungen kommen auch im Berufsleben relativ häufig vor. Wie aber löst man professionell und konstruktiv die daraus resultierenden Konflikte und Krisen?

Der massive Konflikt zwischen den beiden Unternehmensinhabern aus dem obigen Beispiel hatte bereits viel Vertrauen zwischen den Parteien zerstört. Intensive Einzelgespräche mit Beiden waren notwendig bevor sie bereit waren, ihre Probleme mittels einer Mediation aufzuarbeiten und möglichst zu lösen. Die anschließende Mediation gab beiden ausreichend Gelegenheit, ihre Positionen und ihre dahinter liegenden Beweggründe und Motive darzustellen, wodurch gegenseitiges Verständnis für die Sichtweise des jeweils anderen aufgebaut wurde. In der Mediation Prozess gelang es den beiden, ihre aktuellen Konflikte zu bereinigen und klare Vereinbarungen zum weiteren Miteinander zu treffen.

In der Mediation zeigte sich das Ausmaß der Verletzungen auf beiden Seiten. So bedurfte es noch weitergehender Unterstützung, um das verlorene Vertrauen schrittweise wieder zurück zu gewinnen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, doch mittlerweile haben sich die Parteien soweit wieder angenähert, dass auch eine Chance auf Wiederbelebung der Freundschaft besteht.  Sicher ist bereits heute: Die beiden Geschäftspartner werden es nie mehr soweit kommen lassen, sondern sich frühzeitig Unterstützung holen, sollte sich einmal ein neuer Konflikt anbahnen. Und um es möglichst gar nicht erst wieder so weit kommen zu lassen wurden Instrumente für eine regelmäßige Kommunikation fest installiert.

Es ist durchaus allgemein üblich und selbstverständlich, sich in steuerlichen oder rechtlichen Fragen von Fachleuten beraten zu lassen. In Fragen der Kommunikation oder bei wichtigen persönlichen Entscheidungssituationen hingegen gibt es noch immer eine große Scheu, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Während es in größeren Unternehmen mittlerweile etabliert ist, sich auch in Fragen interner Kommunikation von Fachleuten beraten zu lassen, wählen kleine und mittlere Unternehmen  häufig immer noch den self-made Weg – teils mit schlimmen Folgen. Konflikte mit Mitarbeitern oder unter Kollegen führen häufig dazu, dass einer der Beteiligten das Unternehmen verlässt. Der wirtschaftliche Schaden kann immens sein, denn Know-How geht verloren und Fachleute sind nicht so leicht zu ersetzen. Unterschätzt wird dabei häufig, welche negativen Auswirkungen diese Konflikte auf Betriebsklima und Gesamtstimmung im Unternehmen haben. Das gegenseitige Vertrauen, das Miteinander und die Offenheit untereinander können leiden. Damit sinkt automatisch auch die Motivation der Mitarbeitenden und somit das Engagement. Damit kann eine Dynamik einsetzen, die weitreichende Folgen haben kann.

Zurück zu unserem Beispiel von Anfang. Natürlich ist es einfach zu sagen, soweit hätte es niemals kommen dürfen. Da hätte man doch frühzeitig etwas machen müssen. Ja, stimmt! Doch wer ist „man“? Wann ist „frühzeitig“? Und was ist „etwas“?

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Konflikte seltener entstehen, wenn geeignete Kommunikationsstrukturen und -elemente fester Bestandteil im Unternehmen sind. Klare Strukturen der Kommunikation dienen einem geregelten Miteinander, beleben den Informationsaustausch, fördern die Zusammenarbeit und prägen auch die Unternehmenskultur. Gerade für Unternehmen mit innovativem Selbstanspruch gilt es, die Motivation und Kreativität ihrer Mitarbeitenden einerseits zu fördern, andererseits aber auch zu kanalisieren, um sie optimal nutzbar zu machen. Diese Unternehmen können nicht darauf verzichten, sich über Kommunikation frühzeitig Gedanken zu machen und geeignete Strukturen zu installieren. Haben sich nämlich in einem Unternehmen erst einmal störende oder gar destruktive Strukturen im Umgang miteinander herausgebildet, halten sich diese erfahrungsgemäß hartnäckig, ganz gleich ob sie so gewollt waren oder sich unbemerkt ergeben haben.

Bei den meisten Unternehmen findet Kommunikation nicht nur intern, sondern auch in der Außendarstellung mit dem Kunden statt. Dabei zeigen sich deutliche Parallelen zwischen dem internen Kommunikationsverhalten eines Unternehmens und dem zum Kunden. Die Form des Zusammenarbeitens und der Kommunikation spiegelt die Werte und damit die Kultur des Unternehmens wieder. Wer einen wertschätzenden und offenen Umgang mit den Mitarbeitern pflegt, tut dies auch mit dem Kunden. Und beide werden es dem Unternehmer auf Dauer honorieren. Und wenn noch nicht alles perfekt ist lässt sich das auch noch korrigieren. Je eher desto leichter.

Seite 24-25 Portrait Jochen Krampe

Jochen Kramp ist Diplomphysiker, Coach, Wirtschaftsmediator und Trainer.

Jochen Krampe ist auf die Beratung kleiner und mittlerer Unternehmen spezialisiert www.entwicklunggestalten.com

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