Artikel aus RheinZeiger - Ausgabe 35

 

Eine kurze Einführung in eine Technologie der Zukunft

In der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder Innovationen, die derartig disruptiv waren, dass sie ganze Branchen verändert haben. Die Blockchain ist eine solche Technologie und gehört momentan zu den heißesten Themen in der Weltwirtschaft. 

 

Nicht selten wird die Blockchain-Technologie mit der virtuellen Währung Bitcoin gleichgesetzt. Tatsächlich ist diese Technologie aber viel mehr als nur Bitcoin, ganz allgemein geht es dabei vor allem um das Prinzip der Dezentralität und wird als eine der großen Innovationen in der Informationstechnologie gesehen. In diesem Zusammenhang spricht man auch gerne vom „Internet der Werte“. Fakt ist, die Blockchain-Technologie besitzt das Potenzial, ganze Branchen nachhaltig zu verändern – insbesondere die Finanzindustrie (P. Kolb 2017). 

 

Die Anfänge dieser Technologie reichen bis in die 1990er Jahre zurück, die erste „echte“ Blockchain konnte aber erst 2009 unter dem Namen „Bitcoin“ implementiert werden. Das White-Paper von Bitcoin wurde im Jahr 2008 auf Reddit unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht. Die darin beschriebene digitale Währung ist ein Peer-to-Peer-System zur Verwaltung digitaler Assets und Zahlungen ohne Single-Point-of-Failure. Frühere Versuche, eine digitale Währung zu schaffen, waren fehlgeschlagen, weil digitale Transaktionen kopiert werden konnten und es Nutzern so möglich war, Geldbeträge mehrfach auszugeben (Double-Spending-Problem). 

 

Das Bitcoin-Protokoll löst dieses Problem mit universellen Buchhaltungs- und Bestätigungs-prozessen. (M. Quindazzi 2017). Eine Blockchain wird daher auch gerne als „Layerof- Trust“ bezeichnet. Was genau ist die Blockchain-Technologie und warum wird so viel von Ihr erwartet? Vereinfacht versteht man darunter ein System eines gemeinsamen (shared), verteilten (distributed) Grundbuchs (ledger) bzw. eine digitale, dezentrale Datenbank zur Speicherung von Daten. Mit der Technologie dahinter, können Transaktionen durchgeführt, verifiziert und automatisiert werden. Die Transaktionen sind Datensammlungen, die an alle Teilnehmer des Netzwerks verteilt (völlige Transparenz) und anschließend in Blöcken gesammelt werden. Die Teilnehmer eines solchen Peer-to-Peer Netzwerks nennt man Knoten (engl. Nodes). Wichtig: Jeder Knoten verfügt über eine vollständige Version der Blockchain in seinem Speicher. 

 

Wenn wir den Begriff „Blockchain“ betrachten, fällt auf, dass dieser aus den Begriffen „Block“ und „Chain“ besteht. Dabei steht der „Block“ für die Zusammenfassung gespeicherter Transaktionen und „Chain“ für eine Kette, die aus einer Aneinanderreihung von mehreren Blöcken besteht.  

 

Fasst man beide Teile zusammen, entsteht daraus eine „Blockkette“, die sich aus mehreren Informationsblöcken zusammensetzt und mit neuen Blöcken erweitert wird. Der neue Block wird dabei immer an den letzten Block der Kette angehängt (J. Bußmann 2019). Der Begriff Blockchain bezeichnet dabei das logische und technische Verfahren zur Erfassung, Verifizierung und Speicherung von Werten (Transaktionen) und zur Fortschreibung der Datenbank (Blockchain), die im Wesentlichen auf mathematischen Modellen und deren informationstechnologischen Umsetzungen basiert (IDW, 2019).

 

Die Verifikation neuer Blöcke erfolgt über ein sogenanntes Konsensverfahren. Dabei wird mittels kryptografischer Verfahren die Richtigkeit jeder Transaktion verifiziert und über den Konsens unveränderlich in der Blockchain bestätigt. Das momentan am meist verbreiteste Konsensverfahren ist der Proof-of-Work (PoW), welchen das Bitcoin- Protokoll nutzt. Der Nachteil dieses PoW ist der enorme Energieverbrauch, der durch den Bedarf an Rechenleistung der Miner entsteht. Zwar gibt es bereits Alternativen wie den Proof-of-Stake oder Proof-of-Capacity, allerdings bieten diese noch nicht den gleichen Schutz vor Attacken wie der verbreitete PoW. 

 

Welche Methode eines Konsensmechanismus am effektivsten ist, hängt von der Ausgestaltung bzw. vom Usecase der Blockchain ab. So kann man unter den vier folgenden Ausgestaltungsmöglichkeiten unterscheiden: 

 

Öffentlich Zulassungsfrei

Jeder kann das Protokoll herunterladen, am Netzwerk teilnehmen und Transaktionen valideren. Ein Beispiel hierfür wäre Bitcoin oder Ethereum.

Öffentlich Zulassungsbeschränkt

Jeder kann das Protokoll herunterladen und am Netz- werk teilnehmen aber nur unter gewissen Bedingungen Transaktionen validieren. Ein Beispiel für eine solche Anwendung wäre das Grundbuch oder Meldewesen.

Privat Zulassungsfrei

Nur ausgewählte Akteure können am Netzwerk teilnehmen, aber alle Teilnehmer im Netzwerk dürfen Transaktionen valideren. Zur Veranschaulichung dient hier eine Facebook Pinnwand.

Privat Zulassungsbeschränkt

Nur ausgewählte Akteure können am Netzwerk teilnehmen und nur ausgewählte Teilnehmer im Netzwerk dürfen Transaktionen validieren. Diese Anwendung würde sich beispielsweise für Gesundheitsdaten eignen oder die digitale Steuererklärung. 

 

An dieser Stelle wird deutlich, diese Technologie findet in vielen Bereichen Anwendung und hat das Potenzial ganze Branchen auf den Kopf zu stellen. Die Gefahr für ein Unternehmen liegt wohl viel mehr darin, nicht dabei zu sein (Stichwort: Nokia) und bei dieser Technologie nicht wenigstens einmal genauer hinzusehen. 

 

Diese Technologie dürfte unsere Welt stärker prägen, als es in den letzten Jahren die Smartphones getan haben. Deutschland sollte deshalb alles daran setzten, in dieser Entwicklung eine führende Rolle einzunehmen, um diesen Trend nicht auch noch zu verpassen.

 

Um die Tragweite der Entwicklung wirklich abschätzen zu können, ist es daher notwendig zu verstehen, welcher Wert Bitcoin in unserer Gesellschaft haben wird. In diesem Zusammen-hang blickt die Blockchain-Bewegung vor allem auf das im Mai bevorstehende „Halving“. 

 

Dieses Datum ist daher so wichtig, da Bitcoin nach der Halbierung des Blockrewards eine zu erwartende Inflation von circa 1,8% haben wird. Dies sind 0,2% weniger, als es derzeit das Fiat-Geld hat. Bis 2140 wird die Inflation bei Bitcoin auf 0% sinken. Damit schafft sich Bitcoin seine eigene Geldpolitik, die uns bekannte Geldpolitik der EZB in den Schatten stellen wird. Nicht nur deshalb ist zu erwarten, dass Bitcoin in der Zukunft eine führende Rolle als Wertspeicher zugesprochen werden könnte.  Gerade im Hinblick darauf, dass digitale Währungen kommen – in China z.B. bereits in diesem Jahr und auch der EEuro wird zukunftsnah Realität – könnte Bitcoin die Rolle des digitalen Geldes übernehmen. Was das für die Kursentwicklung von Bitcoin bedeutet, steht hier wohl außer Frage.

 

Der größte Wandel ist derzeit in der Finanzindustrie zu erwarten. In diesem Zusammenhang ist DEFI (Decentral Finance) zu nennen. DEFI ermöglicht sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen theoretisch jede Dienstleistung, die bisher zentralisierten Institutionen vorenthalten war, selbst anzubieten. Dadurch ergeben sich unzählige Möglichkeiten, in Zukunft seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das wird das traditionelle Bankgeschäft stark verändern. Bereits heute ist abzusehen das DEFI eine digitale Revolution in der Finanz-industrie auslösen wird und circa fünf Mrd. Menschen, z. T. heute noch ohne eigenes Bankkonto, die Möglichkeit bietet, auf dem Finanzmarkt mitzumischen. 

 

Es ist daher von absoluter Dringlichkeit, sowohl für die Unternehmen als auch für den Privatsektor, diese Technologie und die damit verbundenen Folgen zu verstehen. Es wächst bereits eine starke Industrie heran, die das notwenige Wissen dazu vermittelt.

 

Auch ich versuche durch meine Projekte Blockleak.de und Coinwissen.de für das Thema zu sensibilisieren, und biete Newcomer Seminare und Online-Kurse mit dem notwendigen Know-how an, um Menschen bei der Transformation in das digitale Zeitalter zu begleiten. Viel mehr noch ist es unsere Mission, ALLEN die Möglichkeit zu bieten, an dieser Entwicklung zu partizipieren. 

 

Maximilian Hartmann 

 

www.coinwissen.de

www.blockleak.de 

 

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