Artikel aus RheinZeiger - Ausgabe 35

 

Landwirtschaft neu denken.
Aktive Kämpfer für eine neue Landwirtschaft

Zukunft fängt beim Essen an! Agrarwende durch Startups

 

Landwirtschaft ist in aller Munde – nicht nur sprichwört-lich. Das zeigen die Demon-strationen für die heimische Landwirtschaft „Land schafft Verbindung“ aber auch gegen die üblichen Bewirtschaftungsmethoden „Wir haben es satt!“. Tatsächlich tragen wir mit unserem täglichen Einkauf zur Gestaltung der Landwirtschaft hier vor Ort und auch weltweit bei.  

 

Viele Verbraucher wissen bereits, dass eine regionale, saisonalökologische Ernährung die nachhaltige Nutzung von Boden, Arten- und Wasserschutz sowie Tierwohl fördert. Unsere Ernährung trägt zu einem großen Teil zum CO2-Ausstoß bei. Doch gerade in NRW wird noch wenig Fläche ökologisch bewirtschaftet, insgesamt etwa fünf Prozent, im Ackerbau unter ein Prozent. Dabei gibt es große Potentiale – aber auch große Hemmnisse.

 

Viele Menschen wissen nicht, dass sich in den letzten 50 Jahren ein extremer Wandel vollzogen hat. Durch globalisierten Handel, technische Errungenschaften aber auch intensive Abbaumethoden und Haltungsformen hat sich eine Landwirtschaft etabliert, die auf Wachsen und Weichen abzielt und nun aber an ihre Grenzen stößt. Allein der Artenverlust, wir befinden uns im fünften Massensterben der Erdgeschichte, macht Handeln notwendig. Außerdem belasten die Probleme beim Grundwasserschutz, die Ablehnung von Massentierhaltung (inkl. Soja-Importen aus Regenwaldgebieten) oder die Zunahme des globalen Handelsvolumens im Lebensmittelbereich unsere Ressourcen zunehmend. Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft müssen wir (wir alle!) unsere Gewohnheiten ändern.

 

Hier braucht es also ein neues Denken der Gesellschaft insgesamt. Denn die Landwirtschaft allein wird diese Probleme nicht lösen können. Alle Stufen der Wertschöpfungskette, die Politik und auch die Verbraucher müssen gemeinsam tragfähige Lösungen finden. Bis heute sind von ehemals 900.000 kleinbäuerlichen Familienbetrieben in Deutschland noch etwa 250.000 übrig geblieben. Bei nur etwa einem Drittel von ihnen ist eine Nachfolge gesichert.

 

Die Gründe sind vielfältig. Die geringen Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Sektoren, die wachsende Konkurrenz billiger globaler Ware, hoher bürokratischer Aufwand, hohe Flächenpreise durch fachfremde Investoren und andere Faktoren spielen eine Rolle. Was also können wir tun, um die Landwirte dabei zu unterstützen, so zu wirtschaften, dass Boden, Wasser, Luft rein und gesund bleiben und auch das Tierwohl und die Artenvielfalt gefördert werden? 

 

Eine Antwort will die Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AG Rheinland geben. Sie fördert regionale Bio-Betriebe durch finanzielle Beteiligungen und ein regionales Partnernetzwerk. Ziel ist es, mehr Betriebe auf ökologischen Landbau umzustellen (Nachfrage muss geschaffen werden) und die Produkte möglichst regional zu vermarkten. Bisher sind 26 Betriebe im Partnernetzwerk engagiert dabei, sich gegenseitig in der Vermarktung zu unterstützten. Fünf Beteiligungen ist die Regionalwert AG Rheinland bereits eingegangen, unterstützt von 332 Aktionärinnen und Aktionären.

 

Die Regionalwert AG Rheinland verfügt über insgesamt 1,17 Mio. Euro Grundkapital. Davon wurden 596.500 Euro bereits investiert. Folgende Projekte werden gefördert: ·

 

Breuner Hof zur Hofnachfolge

Edelkäserei Kalteiche zur regionalen Verarbeitung, ·

Biohof StadtLandGemüse zur Existenzgründung, ·

Birkenhof zur Erweiterung von Hofladen, Café und Veranstaltungsraum ·

Obsthof Rönn für Klimaschutzmaßnahmen im Bioland Obstbau.

 

Weitere Beteiligungen sind in Bearbeitung wie beispielsweise:

 

Bio-Molkerei Schauhof: Bald gibt es frische Milch aus Willich für Düsseldorf. Familie Zenz baut eine Hofmolkerei, unterstützt durch die Regionalwert AG.

Monschauer Bauernmolkerei: Die Milchrebellen aus der Eifel mit eigener Molkerei. Bio Milch aus der Eifel – fairer Preis garantiert. Die Erweiterung der Molkerei wird mit Bürgergeld gefördert.

Regionalwert-Laden in Köln: Jan Gökpenarli eröffnet im Frühjahr 2020 einen Laden in Köln Sülz mit den Produkten der Regionalwert-Partner mit gemeinschaftlichen Ansätzen.

 

ZEBRAC-Wettbewerb

Nicht nur über Beteiligungen – auch durch Wettbewerbe fördert die Regionalwert AG Rhein-land nachhaltiges Wirtschaften. So wurde 2019 gemeinsam mit dem Rotonda Business Club erstmals der Wettbewerb ZEBRAC durchgeführt. Der Zebra-Accelerator ist ein Programm, das nachhaltige Startups aus den Bereichen Food und Landwirtschaft in 100 Tagen Investorready macht. Von 20 Bewerbungen haben sich zehn Startups für einen Nachhaltigkeits-Workshop auf Haus Bollheim qualifiziert. Sie arbeiteten an ihren Geschäftsmodellen, ihrem Social Media Auftritt und verbesserten durch Storytelling ihre Präsentation. Sechs qualifizierten sich für eine weitergehende Förderung:  

 

Simplymeal – Einweggeschirr aus Weizenkleie ·

Nexus Farms – Urbane Lebensmittelherstellung mit dem Aquaponic-Verfahren

JackyF – Herstellung von Produkten aus nicht genutzten Lebensmittelresten

Bürger machen Landwirtschaft – Innovative Konzepte der Bürger-Einbeziehung in die Hofnachfolge

Entorganics – Insektenbasierte Lebensmittel

Imke – Nutzung von Honig zur Herstellung von Getränken ohne Zuckerzusatz

 

Eine spannende Vielfalt an Ideen, um regionale Bio-Produkte in der Region zu unterstützen. Durch eine erfolgreiche Kapitalerhöhung, die am 28. Februar 2020 mit der Ausgabe aller Aktien endete, konnte das Kaptal um insgesamt 702.000 Euro aufgestockt werden. Dieses Kapital wurde von rund 200 weiteren Bürger und Bürgerinnen als Investition in die Zukunft zur Verfügung gestellt. Damit werden einige Projekte möglich!

 

Dorle Grothe,  www.regionalwert.de 

Wer mehr Informationen sucht zu diesem Thema: In regelmäßigen Stammtischen zum Beispiel im Hellers in Köln und durch den monatlichen Newsletter informiert Vorstand Dorle Gothe über aktuelle Projekte und Veranstaltungen. Meeting der Regionalwert AG Rheinland auf einem Bauernmarkt. 

 

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